Plötzlich war sogar der Humor regierungstreu

Die scharfzüngigen Satiriker verstummten, die frechen Cartoonisten legten den Stift beiseite: Der Ausbruch der Corona-Pandemie wischte den Humor weg. Selbst nach «Weltuntergängen» werde mit der Zeit aber klar, dass es ohne Lachen und Lächeln nicht gehe, sagt zum Beispiel der Cartoonist Max Spring.

Kabarettistin Patti Basler musste alle Auftritte absagen und produzierte stattdessen fürs Publikum CoronaVideos.

Cartoonist Max Spring (rechts) liess bei Ausbruch der Krise das Zeichnen gleich ganz bleiben. Fotos Tibor Nad /  Andreas Blatter

Max Spring zeichnet für die «Schweizer Revue». Sein Thema: «Nichts ist mehr wie früher.»

Humor in der Corona-Krise

Die plötzliche Abwesenheit von Humor war auffällig. Die sonst um keine scharfe Pointe verlegenen Schweizer Berufskomikerinnen und Cartoonisten hielten sich maximal zurück. Sie verstärkten lieber behördliche Parolen: Kontakte meiden, zuhause bleiben, Hände waschen. So entschied sich etwa die stets rotzfreche Kabarettistin Patti Basler im ersten Schrecken darauf, zwar witzige, aber primär aufklärende Corona-Videos zu drehen. Viktor Giacobbo, der Altmeister der Schweizer Komik, bilanziert im Rückblick: «Wir Satiriker waren noch nie so regierungstreu.» Statt querdenkend das behördliche Tun zu karikieren, assistierten sie. Hatte das Virus den Humor infiziert?

Wir greifen den Berner Cartoonisten Max Spring heraus und fragen nach: Was hat er bei Krisenbeginn gezeichnet? Max Spring: «Gar nichts. Es war der Weltuntergang. Jeden Tag Anspannung, Verschärfung und Horrorbilder. Alles erschien existenzbedrohend. Da blieb kein Raum fürs Witzeln.» Zudem habe schlicht keine Zeitung CoronaCartoons gewollt. Statt zu zeichnen hing er Bundesrat Alain Berset und seinem Experten Daniel Koch an den Lippen: «Auch ich war sehr froh über ihre Führung, ihre starke Hand.»

Der Weg aus der humoristischen Sprachlosigkeit brauche Zeit: «Ein Sujet, das zu Beginn unerträglich wäre, kann eine Woche später bereits anregend sein. Humor braucht den richtigen Zeitpunkt.» Inzwischen sei er frei, die Folgen der Pandemie augenzwinkernd zu illustrieren. Nur eines liege nie drin: «Sich über jene lustig zu machen, die wirklich leiden.» Wozu überhaupt Humor? Er macht nichts ungeschehen. Spring wählt fürs Erklären den Klimawandel, der aus seiner Sicht noch grösseren Katastrophe: «Wir dürfen nicht über den Klimawandel lachen. Aber wir müssen trotz des Klimawandels lachen. Es geht darum, das eigene Lachen und Lächeln zu erhalten.» Wird er so zu einem Pausenclown des Niedergangs? Spring verneint dezidiert: «Ich gehe nicht ins Atelier und nehme mir vor, lustig zu sein. Ich arbeite, ich kämpfe, ich brauche den Pinsel als Werkzeug. Ich bilde mir ein, so auch einen kleinen Beitrag zur Bewältigung schwieriger Fragen zu leisten.»

Kommentare (5)
  • Nick Durrer, Australia
    Nick Durrer, Australia am 24.07.2020
    Gedicht
    DAS VERDAMMTE GRIPPEN FIEBER
    Das Spanische Grippen Fieber ist scheinbar noch nicht ganz verschwunden
    Weil es hat endlich nach langer Zeit den Corona Virus entbunden
    Wilder als es rast es durch alle Erden Länder
    Und zerreist alle die guten von Menschen gewundenen Bänder
    Ja, selbst der schönen Freiheit höchster Bund
    Wird geschlagen und getreten wie ein untreuer Hund
    Noch einmal geht es in Richtung Hölle hinab
    Und dieses mal sogar in einem viel hektischeren Trab
    Der gute Schöpfer gibt seinen Handlanger wiedermal ein neues Mandat
    Er hat ihn schon aufgespiesst, zum Teil krum und gerad’
    Er bringt ihn dorthin wo das Feuer am heissesten glüht
    Dort wird er gebraten und ein par mal darin herumgerührt
    Und wenn er gut gekocht ist und mit neuem Feuer aufgeladen
    Wird er wieder von neuem auf der Erden Oberfläche abladen
    Und wir wie gut erzogene Schafe warten und sind bereit
    Mutig voran zu gehen in eine Zeit mit viel Neuigkeit
    Und Opfer bringen, das muessen wir sowieso nach wie vor
    Denn nur wenn es so ist öffnet sich mal für das Himmels Tor
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  • Rolf Schori, Thailand
    Rolf Schori, Thailand am 24.07.2020
    Das aktuelle Weltthema, welches uns zu verschlingen droht und selbst viele, sonst als stark scheinende Querdenker in die Knie zwingt, ist in seiner Erscheinungsform des Mainstreams für mich beihnahe unerträglich geworden. Es ist mir unverständlich, weshalb beinahe die ganze Menschheit dermassen unkritisch ins gleiche Horn bläst. Meines Erachtens ein eher unnatürlicher, sowie trostloser "Erfolg" eines vermeintlich aufgetischten Weltmonopolies. Ganz klar stellt sich bereits nach diesem Satz die Frage, ob ein Weiterschreiben überhaupt noch Sinn macht, da leider bei solchen Andeutungen das Schubladengeräusch einsetzt, um eine solche Verschwörungstheorie rasch zu versenken. Dennoch versuche ich ein paar Worte anzuhängen, um einen wenigstens minimalen Beitrag zum bitternötigen, weil nicht vorhandenen Gleichgewicht der allgemeinen Berichterstattung zu leisten. Wer sich interessiert mehr Klarsicht und Wahrheit über die herrschende Krise zu verschaffen, findet im Netz genügend Quellen, um sich mal etwas mit der Gegenseite des
    "Killervirus" zu befassen. In dieser extremen Zeit tut Aufklärung not, ist mehr als nur wünschenswert! Bitte den "Aufwachmodus" aktivieren! Ohne andere Meinungen und Forschungen zuzulassen, bleiben wir leider "Fischfutter" mit einem hohen Anteil an Selbstverschulden. Die Menschen, die die Dinge von der anderen Seite her beleuchten (ehrlich), sind bestimmt mit einem ebenbürdigen IQ ausgestattet!
    Das interessante Gedicht von Nick Durrer, wo auch Schafe erwähnt werden, brachte mich spontan auf die Idee den eingelegten Vorwärtsgang mit gut dosierter Bremsung auszuhebeln, damit ich als friedliebendes Schaf nicht wegen irgendwelchen bösartig psychopathischen Böcken über die Klippe springe!
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  • Rolf Schori, Thailand
    Rolf Schori, Thailand am 27.07.2020
    Da ich vor kurzer Zeit meine 7. kurze Satiregeschichte beenden konnte, liegt mir nun ein Stoff vor, der mich persönlich motiviert dem dunklen Thema rundum den Erreger mit einem entsprechenden Quantum an Aufmunterung zu begegnen. Damit das Geschriebene nicht ganz dem Eigenzweck verfällt, erlaube ich mir hier einen kleinen Abschnitt mit Lesern zu teilen.

    Als Verehrer von Goethes Faust, ganz im Geiste der Distanz mit zerknirschten Hosen, gab Professor Immerrecht daraufhin seine universale Faustregel zum Besten, die in der Regel bewirkt mit nur höchstens ZWEI blauen Augen davonzukommen.

    Zitat:

    Werdet Kapitäne eures Körperhaushalts und Funktionäre in der Haushaltung!
    Kämpft Leute, kämpft gegen jeden noch so grossen Wurm im Wasserglas! Lernt über den glühenden Wüstensand zu wandern, auch wenn die Russohlen rauchnen!
    Gebt den Erregern und Aufgeregten keine Chance in die Poren einzudringen! Jagt sie vom Süsspol bis zum Mordpol, auf dass sie vom eigenen Zucker für immer und ewig, nimmermehr zucken!
    Von Meer zu Meer gibt es sie dann einfach nirgends mehr.

    Ist euch das alles zu aufwendig, dann verschwendet halt ägyptischen Balsam und mumifiziert euch! Selbst der kleinste Feind wird so niemandem etwas anhaben können.
    Eines Tages, beim ERWACHEN, werdet ihr höchst erstaunt sein, wie abgenervt euch alle erregten Aufreger applaudieren.

    Nitrat Ende!
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  • Bernhard Bollag, Israel, Jerusalem
    Bernhard Bollag, Israel, Jerusalem am 28.07.2020
    Sehr geehrte Nick Durrer und Rolf Schori (zeitliche Reihenfolge) DANKE FÜR EURE BEITRÄGE! Die eben erlebten Zeiten hatten zwar viel Bitteres, waren aber nicht schlecht. Wer Positives sucht, findet es in den letzten Monaten in ungeheuren Mengen. Wer sich gerne hängen lässt, hatte genügend Gründe, sich hängen zu lassen und herumzunörgeln an all dem Schlechten, das er mit so viel Selbstmitleid erlebt. Wer aber kämpft und den Humor dabei als Werkzeug mitnimmt, der erlebt Grossartiges. Wieviele Wunder konnte der aufmerksame Beobachter und Forscher in den vergangenen Monaten sehen und hören!
    Euer Humor und Eure Kreativität sind fantastisch. In den vergangenen Monaten habe ich hunderte neuer Coronawitze erlebt und mich dabei ein wenig gestärkt. Aber vom Süss- und Mordpol höre ich als Schaf zum ersten Mal. Oder sende ich gerne den Wurm im Wasserglas zum Braten in die Hölle hinab.
    Zwar sind die Cartoonisten und Humoristen über kurze Zeit verstummt. Jedoch dürften auch sie Erfahrungen gemacht haben, in welchen sie in neuer Weise "dunkle" unbemerkte Seiten der Menschheit hervorbringen können. Ein Sportler kommt mit zunehmendem Widerstand auf stärkere Muskeln. Das ist auch im Geist so. Diejenigen, welche die Schwierigkeiten und Widerwärtigkeiten als Chance und Herausforderung anpacken, werden tatsächlich den Applaus - die Erreger und Aufgeregten weit hinter sich lassend - noch aus der Ferne hören. Solche Menschen gibt es unzählige, nur machen sie kein Wesen von sich.

    Herr Durrer vielleicht bringen Sie mit Ihren Reimen
    den Corona-Virus daran zu leimen
    ihn unschädlich zu machen
    indem alle Leser mitlachen
    Herr Schori, viel Erfolg bei Ihrer 8. Satire
    greifen Sie den Virus in die Niere
    und mit scharfem, gewürzten Humor
    weisen Sie alle Erreger und Aufgeregten draussen vors Tor
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    • Rolf Schori, Thailand
      Rolf Schori, Thailand am 28.07.2020
      Sehr geehrter Bernhard Bollag

      Es freut mich ausserordentlich ein Zeichen erhalten zu haben, von jemandem, der aus einer wertvollen, positiven Optik heraus kommentiert. Dazu kommt noch das Humorverständnis. Für mich eine Premiere, da ich das erste Mal überhaupt einen Kommentar in die Öffentlichkeit rausschickte. Schreiben mochte ich früher nicht besonders und lesen noch weniger. Kaum zehn Bücher werden es wohl sein. Seit dem Auswandern vor 9 Jahren, überfielen mich jedoch periodisch "Geistesblitzgewitter", die nur noch mit Schreiben abzuwehren waren. Die letzte Satire wurde sogar überintensiv, so dass zwei Versionen davon nötig wurden. Eine "Soft"-und eine "Hardcore"-Version, wie ich sie zu nennen pflege. Letztere wird aber kaum allgemeinverträglich sein, befürchte ich. Die Dosierung der scharfen Gewürze könnten ungewünschte Nebeneffekte haben, aber wer weiss, vielleicht auch rein zufällig den Virus vernichten!?
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