Reden im Wahlkampf

Heute ist der 1. August. Bundesfeiertag. Es regnet. Am Pult zu sitzen und zu arbeiten, fällt leicht. Es ist kein Sturm draussen, auch kein Sommergewitter. Nur sanfter Regen aus einer grauen Wolkendecke. Als ob der Himmel weinen würde.

Es werden heute sicher viele schöne und patriotische und gescheite Reden gehalten in der Schweiz. Viele davon sind schon wieder vergessen, wenn Sie dieses Heft in einigen Wochen erhalten. Vielleicht werden in diesem Jahre sogar mehr Reden gehalten als sonst. Schliesslich ist Wahlkampf – und die Schweiz befindet sich in einem Zustand tiefer Verunsicherung.

«OECD sieht nur mickriges Wachstum für die Schweiz», war vor ein paar Tagen die Schlagzeile. Und auch: «SECO senkt die Prognose für die Schweizer Wirtschaft». Gestern stand in «20 Minuten»: «Alle 3,6 Sekunden trifft ein Ausländer in der Schweiz ein.» Das sind 24 000 am Tag. Die Pendlerzeitung «20 Minuten» hat täglich 535 000 Leserinnen und Leser. 210 Mal wurde im vergangenen Monat in Schweizer Zeitungen über «das Asylchaos» und über «die Flüchtlingsströme» berichtet. Die Migration ist eines der Hauptthemen im Wahlkampf. Die einen fordern rigide Abschottung, die andern verweisen verzweifelt auf unsere humanitäre Tradition. Alle wissen, dass das Problem in Zukunft nur noch grösser wird. Da helfen weder Grenzzäune noch Gutmenschentum.

Wir werden in diesem Heft nicht über die Migration berichten, aber sicher werden wir uns in Zukunft mit dem Thema beschäftigen. Aber wir haben für diese Ausgabe zwei in der Schweiz lebende, ausländische Journalistinnen gebeten, sich zur Schweizer Politik und zum Wahlkampf zu äussern. Ihre Beiträge finden Sie auf den Seiten 8 und 9, begleitet von einer Analyse eines Schweizer Politologen.

Was Sie als Auslandschweizerin und Auslandschweizer kurz vor den Wahlen sicher beschäftigt, ist die Frage: Bei welcher Partei und bei welchen Kandidaten kann ich davon ausgehen, dass sie auch meine Anliegen als Bürger im Ausland vertreten? Aufschlussreich könnte da ein Rückblick auf die vergangenen vier Jahre Parlamentsarbeit sein, haben wir uns gesagt und das Abstimmungsverhalten der Fraktionen bei allen für die Auslandschweizer relevanten Geschäften untersucht. Sie finden die Analyse auf Seite 18. Wir hoffen, es animiert Sie zum Wählen und erleichtert Ihnen die Wahl.

Barbara Engel, Chefredaktorin

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