Petra Gössi

Kann sie das? Als Petra Gössi 2016 zur Präsidentin der FDP Schweiz gewählt wurde, kannten nur wenige die damals 40-jährige Rechtsanwältin aus dem Kanton Schwyz. Obwohl sie seit fünf Jahren im Nationalrat sass, war Gössi im Bundeshaus nicht als politisches Schwergewicht aufgefallen. Das sollte sich bald ändern: 2017 orchestrierte sie geschickt die Wahl von FDP-Fraktionschef und Sitznachbar Ignazio Cassis in den Bundesrat. Dann kam die Klimakrise und trieb auch in der Schweiz Zehntausende Unzufriedener auf die Strassen. Der Zorn der vorab jungen Protestierenden richtete sich auch gegen die FDP, die 2018 zusammen mit der SVP griffige Klimamassnahmen im CO2-Gesetz verhindert hatte. Die Wirtschaftspartei stand ausgerechnet im Wahljahr im Gegenwind – auch bei einem Teil der eigenen Wählerbasis. Die Präsidentin reagierte auf das Murren mit einem spektakulären ideologischen Kurswechsel. Plötzlich waren für die FDP-Spitze Lenkungsinstrumente wie eine CO2-Abgabe auf Flugtickets nicht mehr tabu. Ihre internen Kritiker, die Gössi wegen der Kehrtwende Opportunismus vorwarfen, brachte die Präsidentin mit einer Mitgliederbefragung zum Schweigen. Die Basis stützte Gössis Schwenker. In der Folge kam die FDP bei den eidgenössischen Wahlen vom letzten Herbst trotz Erdrutschsieg der Grünen mit einem blauen Auge davon. Zwar verloren die Freisinnigen über ein Wählerprozent, doch hatten die Prognosen Schlimmeres befürchten lassen. Seither sitzt die Präsidentin fest im Sattel: Unlängst bestätigte sie die Basis für weitere zwei Jahre an der FDP-Spitze. Inzwischen ist Petra Gössi eine der amtsältesten Parteichefinnen der Schweiz. Die Skeptiker sind längst verstummt. Ja, sie kann es.

THEODORA PETER

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