Léa Sprunger und ihre 13 Schritte

Die Schweizer Leichtathletin Léa Sprunger benötigte als erste Frau bei einem 300-m-Hürdenlauf zwischen den ersten beiden Hürden nur 13 Schritte. Das gilt als Meisterleistung. Sie gelang ihr auf dem Höhepunkt ihrer Karriere.

Foto Christoph Köstlin

Eine der erfolgreichsten Schweizer Leichtathletinnen: Léa Sprunger, hier bei ihrem Start von 2019 an den Weltmeisterschaften in Doha. Foto Keystone

Am 11. Juni gelang Léa Sprunger bei Impossible Games in Oslo eine historische Leistung: Bei den 300 m Hürden benötigte sie zwischen den ersten beiden von insgesamt sieben Hürden nur 13 Schritte. Üblich sind 14 oder 15. Ihre Leistung ist in der Frauen-Leichtathletik eine Premiere. Und Léa Sprunger, vor 30 Jahren in Nyon geboren und erste Schweizer Leichtathletik-Europameisterin über 400 m Hürden, verschob damit Grenzen. Bisher war dieser Schrittrhythmus den Männern vorbehalten. So absolvierte der Amerikaner Edwin Moses die 400 m Hürden stets mit 13 Schritten zwischen allen seinen Sprüngen.

«In dieser Zeit ohne grosse Meisterschaften hat diese Leistung die Aufmerksamkeit auf etwas anderes gelenkt», freut sich Laurent Meuwly, der Léa Sprunger seit 2007 trainiert. «Dieser Schrittrhythmus passt gut zu mir. Zu Beginn hatte ich das Gefühl, schneller zu sein als bei einem 400-m-Hürdenlauf und überholte die anderen, doch am Ende entscheidet die Uhr», resümiert die Sportlerin aus der Westschweiz. Die reduzierte Schrittzahl kostet viel Energie. In Oslo blieb Léa Sprunger mit 39,86 Sekunden deutlich über der zuletzt in Zürich erzielten Zeit von 39,25 Sekunden. «Für ihre Leistung büsste sie am Ende des Rennens», so das Fazit des Trainers.

Eine zweischneidige Zahl

Die Frage der Schrittzahl zwischen den Hürden ist eine Wissenschaft für sich. Für eine Frau scheinen 13 Schritte ein Ding der Unmöglichkeit. «Léa ist die einzige Athletin, der ein Lauf mit dieser Schrittzahl bisher gelungen ist. Ihre Schrittlänge kann aufgrund ihrer Grösse (1,83 m) und ihrer Kraft bis zu 2,38 m betragen», schätzt ihr Trainer. Im Finale der Weltmeisterschaft 2019 in Doha, in dem die Westschweizerin den Schweizer Rekord für 400 m Hürden brach, absolvierten nur zwei von acht Athletinnen das Rennen mit 14 Schritten. Die anderen blieben zwischen den zehn Hürden bei einem Rhythmus von 15 Schritten.

Schwierig ist bei dieser Technik auch die Änderung der Schrittzahl beim Überqueren der Hürden, die im Abstand von 35 Metern zueinander stehen. In Oslo hielt sich Léa Sprunger genau an ihr vorbereitetes Programm: 21 Schritte über 45 m, zweimal 13 Schritte zwischen den beiden ersten Hürden, dann zweimal 14 Schritte und schliesslich zweimal 15 Schritte. Dieser Wechsel kostete sie viel Energie. Deshalb wird die Athletin diese Technik bei künftigen Wettkämpfen nicht unbedingt einsetzen, «aber sie wird weiterhin daran arbeiten», so Laurent Meuwly.

Léa Sprunger gelang ihre historische Leistung auf dem Höhepunkt ihrer Form. Nach der Saison 2021 will sie ihre Laufbahn beenden. «In den letzten drei Jahren waren ihre körperliche und ihre geistige Verfassung aufeinander abgestimmt und sie hat ausgezeichnete Ergebnisse erzielt. Das ist der Höhepunkt einer langen Sportlerlaufbahn, die sie im Alter von zehn Jahren begann», erklärt ihr Trainer. Worin besteht das nächste Ziel der Waadtländerin, die bei Deutschschweizer Eltern aufwuchs? «Eine Medaille in einem Wettkampf auf Weltniveau», antwortet Léa Sprunger, die sich nun auf die nächsten Leichtathletik-Hallenweltmeisterschaften vorbereitet, die im März im chinesischen Nanjing stattfinden sollen.

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