Ein Thuner hat den Blues

Philipp Fankhauser ist äusserlich eine überaus schweizerische Erscheinung. Er erinnert eher an einen Buchhalter denn an einen Blueser, der das Leben am eigenen Leib zu spüren bekommen hat. Aber dieser Sänger und Gitarrist ist seit Jahren der bekannteste Bluesmusiker unseres Landes. Seit dem ersten Album von Philipp Fankhauser sind bereits 30 Jahre vergangen, das aktuelle Werk «Let Life Flow» ist sein 16. Statement als Solokünstler.

Das neue Album bringt die Stärken des 56-jährigen Thuners einmal mehr auf den Punkt. Die fünfzehn Songs vereinen den Blues mit sanftem Soul und Pop. Die Musik besticht durch Groove und Leidenschaft, eingängige Melodien und zugängliche Arrangements. Fankhausers Stimme kratzt dem Genre entsprechend, seine kaum verzerrte Gitarre ist gefühlvoll und virtuos, ein Bläsersatz erinnert an New Orleans. Die Band um die gestandenen Grössen Hendrix Ackle am Keyboard und Richard Cousins am Bass spielt rund, der grossartige Frauenchor The Shoals Sisters verleiht den Aufnahmen einen Hauch von Gospel.

«Cold Cold Winter» ist ein schneller Shuffle, «Here In My Arms» eine starke Down-tempo-Nummer, «You’ve Got To Hurt Before You Heal» eine schnulzige Soulballade, «Wave You Goodbye» der erdigste Blues des Albums: Philipp Fankhauser spannt auf seinem neuen Werk, das teilweise in den Südstaaten mit einheimischen Gästen aufgenommen wurde, den üblichen Bogen. Einzig mit dem Mundartlied «Chasch Mers Gloube», einem Tribut an den verstorbenen Musiker Hanery Amman, betritt der Sänger Neuland. Noch nie hat er auf seinen Alben auf Berndeutsch gesungen. Aussergewöhnlich ist auch seine Version von Lucio Dallas «Milano», interpretiert in originalem Italienisch.

In welcher Sprache auch immer, die Lieder auf «Let Life Flow» klingen am Ende stets transparent und geradezu proper produziert. Ecken und Kanten gehören zu diesem Amalgam weniger dazu. So gesehen passt der Sound von Philipp Fankhauser besser zu seiner schweizerischen Erscheinung, als man auf den ersten Ton erkennen mag. Eine Schwäche ist das nicht. Sondern authentisch.

Marko Lehtinen

Philipp Fankhauser: «Let Life Flow», Sony Music

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