Walliser Wein vom Fusse des Himalayas

Am «Fête des Vignerons» in Vevey – dem grössten Winzerfest der Schweiz – steht dieses Jahr auch die Fünfte Schweiz im Fokus.

Selbst an den steilen Flanken des Jangtsekiang-Tales entfaltet sich die Schweizer Weinbautradition. Foto ZVG

Das «Fête des Vignerons» ist ein Fest der ganz besonderen Art. Es findet lediglich alle rund 25 Jahre statt, dies aber bereits seit dem 17. Jahrhundert. Und längst dreht sich das Fest nicht nur um den Wein, sondern ist ein kultureller Höhepunkt für die ganze Region. Seit 2016 figuriert das «Fête des Vignerons» auf der Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes. Es war die erste «lebendige Tradition» der Schweiz, die überhaupt auf diese Liste aufgenommen wurde.

Das von der örtlichen Weinbruderschaft namens Confrérie des Vignerons organisierte Fest stellt dieses Jahr auch die Fünfte Schweiz in den Fokus. Sie widmet den 25. Juli den Auslandschweizerinnen und Auslandschweizern. Für sie soll Vevey für einen Tag zur Hauptstadt werden.

Gleichzeitig wird auch die Schweiz während des Fests mehr über im Ausland wirkende Schweizerinnen und Schweizer erfahren, beispielsweise über Winzer, die in ihrer zweiten Heimat hervorragende Weine keltern. Dank der Zusammenarbeit zwischen der Auslandschweizer-Organisation (ASO) und der Swiss Wine Promotion AG werden Schweizer Winzer an der Plateforme Lacustre ihre Erzeugnisse vorstellen können.

Nach Vevey reisen werden Schweizer Winzer aus den klassischen Weinbauländern und -regionen Australien, Argentinien, Bulgarien, Frankreich, Italien, Kalifornien und Südafrika. Einen Weg ans grosse Fest sucht aber auch der Önologe Yves Roduit: Der gebürtige Walliser Roduit produziert heute in Tibet rund 15 000 Flaschen Wein pro Jahr. Er schätzt die dortige Lage – auf 2200 Meter über Meer – als so ideal ein, dass er auch den Anbau der im Wallis heimischen Rebsorte Petite Arvine ins Auge fassen will. Yves Roduit wanderte 2014 nach Tibet aus, nicht um Buddhist zu werden, sondern um den ursprünglich von christlichen Missionaren in die Region getragenen Weinbau weiterzuführen. Es sei eine sehr ärmliche Gegend, die den ökonomischen Aufschwung Chinas kaum spüre, sagt Roduit. Er versteht sein Engagement denn auch als Stärkung der im Tal des Jangtsekiang (Provinz Yunnan) gelegenen lokalen, dörflichen Gemeinschaft. Längst sieht sich Roduit noch nicht am Ende des Weges und er sucht Investoren für Ausbauschritte. Die terrassierten Hanglagen im JangtsekiangTal scheinen ihm dafür wie geschaffen. Überzeugen will er sie mit seiner besten Visitenkarte: seinem Wein.

Was es zur Kenntnis zu nehmen gilt: Wein aus China ist nicht so exotisch, wie dies aus schweizerischer Perspektive erscheinen mag. Das Land ist längst unter die Top Ten der weinproduzierenden Länder aufgestiegen. Hinter Leader Italien, Frankreich, USA, Spanien, Argentinien folgt die Volksrepublik China auf Rang 6, was die produzierte Menge anbelangt (2018). Die Schweiz liegt mit gut einer Million Hektoliter auf Rang 20.

 

«Fête des Vignerons», 18. Juli bis 11. August 2019: www.fetedesvignerons.ch

Tag der Auslandschweizerinnen und -schweizer: ogy.de/aso-vevey

Kommentare (1)
  • Alina Cabrera, Colonia Del Valle, Ville de Mexico, Mexique
    Alina Cabrera, Colonia Del Valle, Ville de Mexico, Mexique am 02.08.2019
    En Juillet 18 2019, a 23h, à bord du train Vevey - Montreux, j’ai parlé brièvement avec une vaudoise âgée de 90 ans, qui venait de voir sa quatrième Fête des Vignerons consécutive. Elle a pensé qu’elle ne devait plus allez au spectacle parce qu’elle était trop âgée, mais sa grande fille lui a offert l’entrée pour la convaincre d’y assister avec sa fille. Cette belle et gentille dame est paysanne, fille d’un vigneron vaudois qui a travaillé pendant plusieurs années dans une Vigne de la région. Quand elle était petite, elle a eu la tuberculose, mais son destin a été de survivre pour être témoin de quatre spectacles consécutifs de la Fête des Vignerons durant sa vie. Ce dernier est sans doute son préféré. Assise confortablement dans le wagon d’un train moderne, j’ai imaginé l’effort extraordinaire de l’oncle de cette dame pour rentrer chez lui à cheval, dans l’obscurité, tard dans la nuit, après avoir participé à la Fête des Vignerons version 1927. Tandis qu’elle, de son côté, n’a eu l’occasion d’assister à son premier spectacle qu’après la deuxième guerre mondiale.
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