Leserbriefe

Der fast zu erfolgreiche Schweizer Zivildienst

Wenn in einem Restaurant das Schnitzel nicht bestellt wird, weil die Pasta besser schmeckt, kann es nicht Ziel des Wirtes sein, die Pasta weniger schmackhaft zu machen. Nein, er muss der Ursache auf den Grund gehen, warum das Schnitzel nicht bestellt wird – und dieses verbessern. Also: Die Regierung in der Schweiz müsste sich bereits seit mehreren Jahrzehnten dringend überlegen, welches jetzt und in Zukunft die Aufgaben einer Armee in der Schweiz sind, und diese dann derart umbauen, dass sie wieder an Attraktivität gewinnt. Ja, ich habe vor über zwanzig Jahren auch Zivildienst gemacht, und zwar genau auch deshalb, weil ich nicht «mit dem Gewehr eine Brücke bewachen wollte». Schon damals war für mich der Militärdienst sehr unattraktiv im Vergleich mit den Aufgaben eines Zivi.

Tobias Munz, Hamburg, Deutschland

Ich habe beide Seiten gesehen. Ich habe meine Rekrutenschule (RS) als Sanitäter gemacht. Leider war unseren Vorgesetzten Sachen wie Zimmerordnung und Strammstehen oder uns grundlos anzubrüllen weit wichtiger als die Ausbildung zum Sanitäter. Darum konnten die meisten nach der RS nicht einmal einen anständigen Verband anlegen. Darum habe ich dann in den Zivildienst gewechselt. Ich habe diverse Zivildienst-Einsätze an verschiedenen Orten gemacht. Dabei konnte ich jeden Tag etwas bewegen und habe auch sehr viel gelernt. Ich komme daher zum eindeutigen Schluss, dass meine Zeit beim Zivildienst eindeutig ein Dienst am Vaterland war, meine Zeit beim Militär hingegen war es eindeutig nicht.

Marcel Ellenstein, Zürich

Lucens, der schmelzende Schweizer Reaktor

In der «Schweizer Revue» lese ich, dass es 1969 im Atomreaktor von Lucens zu einem GAU, einer Kernschmelze, gekommen ist. Das war mir nicht bewusst: Vielen Dank also für Ihre Aufklärung! Der Fall weckt eigene Erinnerungen. So wurde 1964 mit aller verfügbaren politischen Macht versucht, im St. Galler Rheintal in Rüthi – beim Hirschensprung – ein Atomkraftwerk durchzudrücken. Die damaligen Argumente: zwingende Notwendigkeit, genügend Kühlwasser aus dem Rhein, Schadensbegrenzung im Unglücksfall, da zur Hälfte das unmittelbar benachbarte Österreich betroffen wäre. Als aktiver Gegner solcher Pläne wurde man verunglimpft: als Landesverräter, Nestbeschmutzer, Fortschrittsverweigerer. Das war nicht mehr meine Schweiz und einer der Gründe, ins Ausland zu gehen.

Hanspeter Widrig, Stein, Deutschland

Das verschärfte Schweizer Waffenrecht

Mir sind die Ähnlichkeiten zwischen den USA und der Schweiz aufgefallen und ich habe realisiert, dass wir viele Probleme teilen, z. B. Waffenkontrolle und Handel. Wie in der Schweiz garantiert auch unsere Verfassung das Recht auf Waffenbesitz. Es gibt hier viele, die dieses Recht abschaffen oder stark regulieren möchten. Bitte denkt daran, dass jedes Land, das seinen Bürgern die Waffen wegnahm, sie zuerst registrierte. Ich war erstaunt und enttäuscht, dass ihr euch in dieser Sache den Wünschen der EU anpasst. Ich bitte meine Schweizer Freunde dringend, alle weiteren Versuche der EU, euch eure Souveränität und Unabhängigkeit zu nehmen, zurückzuweisen.

Ted Grob, Grafton, USA

Wahlrecht für Auslandschweizer unter Druck

Ich sehe das Wahlrecht für Auslandschweizer gleich wie die meisten Leserbriefeschreiber. Ich lebe seit 48 Jahren in Kanada und bin kanadischer Staatsbürger. Auch wenn ich gerne in Betracht ziehen würde, zurück in die Schweiz zu ziehen (Genf, wo ich aufgewachsen bin), glaube ich nicht, dass ich es mir angesichts der dortigen hohen Lebenskosten mit meiner hiesigen Rente leisten könnte.

Deshalb denke ich, obwohl ich die News aus der Schweiz genau verfolge und die Abstimmungsunterlagen lese, die ich erhalte, dass es falsch wäre, wenn meine Stimme zu Themen gehört würde, die mich nicht betreffen und nie betreffen werden. Auch kann ich nicht behaupten, dass ich die Themen immer vollständig verstehen würde, ohne dort zu leben.

Werner Hohler, Winnipeg, Canada

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