Neun Sprachen, ein Klang

Die junge albanisch-schweizerische Jazzsängerin und Komponistin Elina Duni ist ein Naturereignis. Ihre Stimme beeindruckt ebenso wie ihre Persönlichkeit und ihre Erscheinung: bezaubernd, vielsprachig, lebhaft, schnell, von französischem Charme und leichtfüssiger Intelligenz, dabei eine engagierte Künstlerin mit Tiefgang und Sinn für melancholische Musik.

1981 wurde sie in Tirana geboren. Als Kind einer Schriftstellerin und eines Regisseurs wuchs sie in einem Künstlerhaushalt auf. Schon als Fünfjährige stand sie auf der Bühne, sie lernte Geige spielen und später Klavier. Als Zehnjährige kam sie mit ihrer inzwischen geschiedenen Mutter aus Albanien in die Schweiz: erst für kurze Zeit nach Luzern, dann nach Genf. «Mein Idiom der Poesie ist das Albanische geblieben», sagt sie, «aber meine intellektuelle Sprache ist das Französische.» Sie spricht indes auch ein hinreissend gefärbtes Berndeutsch.

An der Hochschule der Künste Bern studierte sie Gesang und Komposition. Dort lernte sie den namhaften Lausanner Pianisten Colin Vallon kennen, mit dem sie ihr Quartett gründete. Ihre Vorbilder waren Ella Fitzgerald, Billie Holiday, Shirley Horn und Sheila Jordan. Sie war aber auch offen für Rock und Weltmusik.

«Partir» heisst ihre neue, als dritte auf dem renommierten Label ECM erschienene CD. Elina Duni verzichtet hier auf ihre bewährte Band und begleitet sich selbst, abwechselnd am Klavier, an der Gitarre und der Perkussion. Bisweilen singt sie auch a cappella. Zwölf Lieder aus aller Herren Ländern hat sie ausgewählt. Wir hören ein Volkslied aus Kosovo, eins aus Armenien, eins aus Mazedonien. Es gibt aber auch Ausflüge in den portugiesischen Fado und ins Italien von Domenico Modugno. Jacques Brel wird mit «Je ne sais pas» zitiert, die Schweiz ist mit «Schönster Abestärn» vertreten.

Das klingt nach globalem Birchermüesli, doch das Gegenteil ist wahr: Dieses Album ist aus einem Guss. Auf einen nachdenklichen Ton ist es gestimmt, obwohl es vom Aufbruch handelt. Aber es ist eben kein euphorischer oder gar leichtfertiger, sondern ein bedachter und bisweilen wehmütiger Aufbruch. Elina Duni besingt ihn mit erdiger Präsenz und beherrschter Kraft.

«Partir» ist weit mehr als ein Nebenwerk. Als Solistin gibt Elina Duni hier alles. Sie agiert ohne Netz und auf jede Gefahr hin. Wir lauschen ihr gebannt und beglückt.

Manfred Papst

 

ELINA DUNI: «Partir», ECM

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