Der Bezug zum Lokalen

Wein aus Australien, Früchte aus der Karibik, Fleisch aus Argentinien – es ist gar nicht so lange her, da galt: Von je weiter her ein Produkt kommt, desto besser. Die Welt wurde immer vernetzter, exotische ausländische Produkte zu konsumieren hatte etwas Mondänes. Und irgendwie wollte man sich die Möglichkeiten und Absurditäten der Globalisierung auch im Alltag nicht entgehen lassen.

Heute ist es umgekehrt: Je näher ein Produkt hergestellt worden ist, desto besser. Das Bewusstsein für «Herkunftsgerechtigkeit» und lokale Produkte hat sich in den vergangenen zehn Jahren nachhaltig verbessert. Dabei geht es nicht nur um den Umweltschutz. Wie sieht der ökologische Fussabdruck einer Flasche Wein aus, die um die halbe Welt geflogen ist? Es geht auch um ein Interesse an der unmittelbar wahrnehmbaren Umgebung – und letztlich vielleicht sogar um das vertiefte Interesse an der eigenen Herkunft.

Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass viele Schweizer Lebensmittelproduzenten auf lokale Spezialitäten umgestellt haben. Sie stehen für RegioKäse, Regio-Brot oder Regio-Wein. Die Nachfrage nach Apfelsorten aus der eigenen Umgebung ist riesig, und wenn das Fleisch vom Metzger aus dem Nachbarsdorf stammt, ist es dem Konsumenten seinen Aufpreis wert.

Auch das Bier hat diese Entwicklung erfasst. Anstatt ausländisches oder nationales Bier zu trinken, bevorzugen die Schweizerinnen und Schweizer zunehmend kleine regionale Marken. Die Zahl der einheimischen Brauereien ist entsprechend auf über 900 angestiegen. Zwar steht dieser Boom auch im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch des grossen Bier-Kartells im Jahr 1991 – wie dem Schwerpunkt dieser Ausgabe zu entnehmen ist. Es ist aber ebenso erfreulich wie frappant, wie sehr die Wertschätzung für regionale Produkte in der Schweiz auch im Bereich der Brauereien zugenommen hat.

Marko Lehtinen, Chefredaktor

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