Der Bundespräsident und die Welt der Jugend

Für Bundespräsident Didier Burkhalter ist der Kontakt zur Jugend ein zentraler Punkt in seinem Präsidialjahr. Deshalb durfte ein Jugendlicher ihn zur UNO-Generalversammlung begleiten. Ein Erlebnisbericht.

Bundespräsident Burkhalter und Damian Vogt, beobachtet von Botschafter Jürg Lauber

Die sogenannte High-Level-Woche der 69. UNO-Generalversammlung in New York dauerte vom 22. bis 26. September. Einer der Höhepunkte für mich war die Generaldebatte mit den Reden der Staats- und Regierungschefs und anderen hohen Staatsvertretern. Die unterdessen wiedergewählte brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff sprach in ihrer Rede von den Wahlen und der Demokratie in ihrem Land. Anders der Präsident Finnlands, Sauli Niinistö, er machte die Konflikte in der Ukraine, in Syrien und in Irak zum Thema. 

Bundespräsident Didier Burkhalter stellte seine Rede unter den Titel «Les nations réellement unies inspirées par les jeunes et pour les jeunes». Einleitend zitierte er einen Jugendlichen aus der Schweiz, der einmal auf die Frage des Bundespräsidenten, welche Welt er sich wünsche oder erträume, geantwortet hat: «Eine Welt, in der die Menschen ihre Probleme friedlich lösen, ohne Gewalt. Eine Welt mit Freiheit und gegenseitigem Respekt. Eine Welt, wo alle Jugendlichen die Chance auf eine Arbeit haben, die ihnen ein glückliches Leben ermöglicht.» 

Für uns Jugendliche ist es schön, das Interesse und die Wertschätzung des Bundespräsidenten zu spüren. Er sagte an die Adresse der anderen Staatsvertreter: Die Jugend erwarte «zu Recht von den Vertretern der Nationen, dass sich diese mit vereinten Kräften (réellement unis) dafür einsetzen, der nächsten Generation eine Welt und eine Menschheit zu übergeben, in der  Sicherheit, Freiheit und Wohlstand keine leeren Worte sind». Der Bundespräsident erklärte auch, er sehe die Jugend mit ihren vielen 

Fähigkeiten als Inspirationsquelle. Gleichzeitig – auch das machte er klar – erwartet er von den Jugendlichen, dass sie sich ihrer Verantwortung bewusst sind und sich einsetzen für eine Welt, die so aussieht, wie sie es sich wünschen. 

Probleme löst man gemeinsam

Schliesslich durfte ich an der Seite des Bundespräsidenten an der Pressekonferenz meine Visionen erläutern. Es war mir wichtig, meine Überzeugung darzulegen, dass eine nachhaltige Entwicklung nur möglich ist, wenn die verschiedensten Menschen der Gesellschaft in die Entscheidungsprozesse miteinbezogen werden. Eben auch die Jugendlichen. Wir sind oft mit Problemen konfrontiert, die einen transversalen Charakter haben, das heisst doch auch, dass eine einzelne Gruppe kaum eine nachhaltige Entwicklung erzielen kann. Nur im ­Dialog zwischen den Alters- und Interessensgruppen gibt es tragfähige Resultate.

Als ehemaliger Präsident des Organisationskomitees der Eidgenössischen Jugendsession weiss ich: Der Einbezug der Jugend in die nationale Politik ist eine Herausforderung. Als Vertreter von Youth Rep habe ich erfahren, dass die Herausforderung noch viel grösser ist, wenn man sich auf der internationalen Ebene bewegt. Deshalb bin ich sehr froh, dass die Schweiz jedes Jahr drei UNO-Jugenddelegierte ernennt. So erhalten wir Jungen eine konkrete Stimme bei der UNO. Mein Ziel während dieser Woche in New York war es, dass diese Stimme auch gehört und respektiert wird.

Zurück und in die Zukunft schauen

An einer Sondersession der UNO-Generalversammlung während der High-Level-Woche war die Jugend nicht nur für den Schweizer Bundespräsidenten ein wichtiges Thema. Es wurde in die Zukunft geschaut, aber auch zurückgeblickt – bis ins Jahr 1994, denn damals wurde an der internationalen Konferenz für Bevölkerung und Entwicklung in Kairo ein Aktionsprogramm ausgearbeitet. Über fünfzig Mal taucht in diesem Programm das Wort «Jugend» auf. Immer wieder wiesen die  Staatsvertreter auf die Wichtigkeit der jungen Generation hin. Investitionen in junge Menschen seien keine Wahl, sondern Pflicht, liest man da beispielsweise. Umstritten war jedoch die Frage, welche Formen von Investitionen sinnvoll sind. Vor allem bei der Gesundheit, namentlich auch im sexuellen und reproduktiven Bereich, bei der Bildung und bei den Rechten sahen die Staatsvertreter Verbesserungspotenzial. Eine gut ausgebildete und gesunde Jugend habe schliesslich auch einen positiven Einfluss auf die Wirtschaft.

Treffen der Parlamentarier

Am Vorabend der Sondersession ­trafen sich Parlamentarierinnen und Parlamentarier aus verschiedenen Ländern mit Vertreterinnen und Vertretern der Zivilgesellschaft. Wichtigster Punkt war die Internationale Parlamentarische Konferenz zur Umsetzung des Aktionsprogramms von Kairo, die im März dieses Jahres stattgefunden hatte. Da niemand aus dem Schweizer Parlament anwesend war, durfte ich die Schweiz an diesem Anlass repräsentieren. Betont wurde immer wieder, dass Parlamentarierinnen und Parlamentarier die zentrale Rolle bei vielen Entwicklungen spielten. Sie seien schliesslich für die Umsetzung internationaler Beschlüsse in das nationale Recht zuständig. 

Einig war man sich, sei es im Rahmen der Generalversammlung der UNO oder an den Nebenveranstaltungen, die Herausforderungen sind gross und das Aktionsprogramm ist auch für die Zeit nach 2014 von Bedeutung. Es ist zu hoffen, dass die junge Energie wirksam bleibt.

 

Was ist Youth Rep?

Das Projekt Youth Rep (Youth Representatives) wird von der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände (SAJV) zusammen mit dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) ausgeführt. Jugenddelegierte können im Rahmen von Youth Rep mit der offiziellen Schweizer Delegation an verschiedenen internationalen Konferenzen teilnehmen. Jeweils im Herbst reist eine Vertreterin oder ein Vertreter des Teams an die UNO-Generalversammlung nach New York. Das Engagement bei Youth Rep ist ehrenamtlich und auf eine Zeit von zwei Jahren festgelegt. Die Beteiligten vertreten während eines Jahres die Schweizer Jugend und widmen sich im Folgejahr dem Coaching der Nachfolgerinnen und Nachfolger.

Damian Vogt ist 1991 geboren, in Vaduz (FL) und Hinwil aufgewachsen. Er studierte Internationale Beziehungen in Genf und war mehrere Jahre Mitglied sowie Präsident des Organisationskomitees der Eidgenössischen Jugendsession. Ab Januar 2015 wird er bei der Diplomatischen Vertretung des Fürstentums Liechtenstein in New York arbeiten.
www.youthrep.ch

Kampagne Free & Equal

Während der High-Level-Woche fand auch das erste öffentliche Treffen statt zu den LGBT-Rechten (lesbian, gay, bisexual and transgender). 2013 gab es die erste geschlossene ministerielle Veranstaltung zum Schutz der Rechte von Lesben, Homosexuellen, Bisexuellen und Transgender. Mit einer Videobotschaft wandte sich UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon an die Ministerrunde und ans Publikum. Er sprach sich gegen Stigmata, Diskriminierung und Gewalt aus, die Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität erleiden müssen. Der Kampf für Menschenrechte und gegen Diskriminierung stehe im Zentrum der UNO-Mission.

Die Kampagne Free & Equal der UNO öffne Herz und Geist der Menschen. Man dürfe nicht zurückweichen vor Menschenrechtsschutz, nur weil Regierungen in diesem Bereich nicht gleicher Ansicht seien. 

John Kerry, US-amerikanischer Aussenminister, schloss sich Ki-moon an, indem er die Wichtigkeit der Kampagne betonte: Menschen würden immer noch verunglimpft, angegriffen, sogar getötet, für die Person, die sie seien und den Menschen, den sie liebten.  Dank Free & Equal würden Hürden für eine gerechtere und tolerantere Gesellschaft überwunden.

John Kerry begrüsste es sehr, dass der Anlass öffentlich war und auf grosses Interesse stiess, denn der Einsatz für eine Welt ohne Diskriminierung und für die Menschenrechte beginne nicht nur im Saal der Generalversammlung, sondern ebenso im Herzen und Geiste der Menschen. 

 

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