
Die Hexen sind ins Schloss Chillon zurückgekehrt. Nicht die Hexen aus den Märchen, sondern jene Frauen, denen während Jahrhunderten nachgesagt wurde, im Verbund mit dem Teufel Unheil über die Menschen zu bringen. Frauen, die verfolgt, gejagt, gefoltert, verbrannt wurden. Die Schweiz war bezüglich Hexenjagd von besonderem Fleiss und besonderer Gründlichkeit. Zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert sind mehr als 3500 Hexen und Hexer auf dem Scheiterhaufen gelandet. Anna Göldi aus Sumiswald war eine der letzten Hexen, die in Europa hingerichtet wurde. Das war 1782 – im Jahr 2008 hat sie der Landrat von Glarus nach langem Hin und Her rehabilitiert, weil das Urteil nicht nach einem rechtmässigen Verfahren zustande gekommen sei.
In der Ausstellung werden zahlreiche Dokumente gezeigt, die der Öffentlichkeit bisher nicht zugänglich waren und die zeigen, welche Rollen Politik und Kirche in dem unrühmlichen Kapitel gespielt haben. Das Schloss Chillon, wo unzählige Hexen in einem Verlies auf ihren Prozess und den Tod gewartet haben, ist bestens geeignet als Rahmen für eine solche Ausstellung.
Die Ausstellung dauert bis zum 24. Juni 2012. www.chillon.ch


Einen Rundflug über das Tessin bietet Rémy Steinegger im Fotoband «Tessin zwischen Himmel und Erde». 126 Bilder eines Kantons, der sich in den vergangenen hundert Jahren nachhaltig verändert hat, wo die Agrarwirtschaft von einer Tourismus- und Dienstleistungsindustrie fast völlig verdrängt wurde – weil die Schönheiten jedes Jahr Abertausende Gäste aus dem Norden anziehen. Die Perspektive aus der Luft ergibt ungewohnte Bilder. Denn die Vogelschau ermöglicht einen Blick auf das Miteinander von der über lange Zeiträume gewachsenen Natur und der schnellen Invasion der durch Menschenhand erschaffenen Zivilisation.
Es sind Schönheiten und Zusammenhänge erkennbar, die aus der Froschperspektive des normalen Reisenden nie zu sehen sind, aber es werden auch brutale Eingriffe in und Sünden an der Natur sichtbar. «Das Buch will weder anklagen noch beschönigen, es ist eine Momentaufnahme (…)» schreibt der Fotograf im Nachwort.
Dem kann man zustimmen und anfügen: Es ist eine wunderbare Momentaufnahme – schön gestaltet und mit knappem, dafür gehaltvollem Text.
«Ticino tra cielo e terra»; Fontana Edizioni, 6963 Pregassona, 264 Seiten
CHF 64.– ohne Versandkosten. Bestellung: edizioni@fontana.ch

Es ist ein Abenteuer, ein anachronistischer Versuch, über den viele den Kopf schütteln mögen. Klar ist, der Start zu dem Abenteuer ist gelungen. «Reportagen» heisst ein neues Magazin, das seit Oktober 2011 in der Schweiz erscheint. Der Name ist dabei Programm: 120 Seiten, keine Fotos, keine PR, kein Hochglanz. Nichts als in Leinen gebundene Texte – und was für Texte. Für die erste Ausgabe haben sechs Autorinnen und Autoren Geschichten geliefert, die man so schnell nicht vergessen wird. Margrit Sprecher schreibt über Irland, «wie es reich, wieder arm und gescheiter wurde»; Karin Wenger erzählt in «Zwischen Töten und Tanzen» über ihren Besuch auf den abgeschotteten Basen der US-Soldaten in Afghanistan; Erwin Koch in «Sarah» über den Kampf der 17-jährigen Sarah mit dem Krebs. Zum Zeitgeist im Journalismus passt «Reportagen» nicht, es ist dafür ein sinnliches Vergnügen der Extraklasse.
Vortragsreihe zu «Reportagen»
in Zusammenarbeit mit «Freitag»:
16.2.2012 in Hamburg mit Peter Stamm
12.4.2012 in Wien mit Sibylle Berg
28.6.2012 in Köln mit Ilija Trojanow
23.8.2012 in Berlin mit Linus Reichlin
www.freitag.ch
Abo: www.reportagen.com/
Tel: +41 31 981 11 14, CHF 100.–/Jahr.