Schwarz ist die Musik…

Der Hype um dieses Musikprojekt war schon riesig, als es noch gar keinen Tonträger gab. Der Basler Musiker Manuel Gagneux malte sich aus, wie es wohl klingen würde, wenn er schwarze Sklavengesänge und Gospel mit schwarzem Metal vermengt – eine zuvor undenkbare Mischung. Es war ein Jux, in den sich Gagneux jedoch mit Inbrunst hineinkniete.

Vor knapp einem Jahr stellte der Sänger und Gitarrist, der zuvor auch in New York gelebt hatte, die ersten Resultate seines Experiments unter dem Namen Zeal & Ardor ins Netz – und löste damit eine regelrechte Lavine aus. Ein Journalist des bedeutenden amerikanischen Musikmagazins «Rolling Stone» bekam das Lied «Devil is Fine» zu hören und war derart begeistert, dass er seine Liebe für das obskure Projekt aus Basel weltweit kundtat. Die mediale Aufmerksamkeit war daraufhin beispiellos, eine ganze EuropaTournee mit Abstechern in die USA wurde gebucht, und kein Geringerer als Slash von Guns N’Roses lobte Zeal & Ardor als eines der spannendsten Musikprojekte der vergangenen Jahre – bevor das Debüt überhaupt auf dem Markt war.

Nun ist es so weit: Seit einigen Monaten steht das Album mit dem ironischen Titel «Devil is Fine» endlich in den Läden. Und es hält, was der Hype versprochen hat. Das mit knapp einer halben Stunde kurze Album verbindet in absolut verblüffender Weise schwarze Roots Music mit weissem Black Metal. Da wechselt leidenschaftlicher Gospel mit finsterem Kreischen und schnellen Blastbeats. Da geschieht eine Fusion von Mainstream und Untergrund, Groove und Härte.

Gagneux hat eine kraftvolle Stimme, die er in leidenschaftlichen Ausbrüchen ausspielt. Er hat ein Flair für Metal und auch für die grosse Melodie. Und so wundert es nicht, dass Zeal & Ardor am Ende einem grossen Pop-Publikum ebenso zusagt wie der introvertierten Black-Metal-Szene. Einen kleinen Abstrich aber gibts: Auf die Dauer eines ganzen Albums verliert der Jux an Reiz. Man darf also gespannt sein, ob Zeal & Ardor den Spannungsbogen und das Interesse des Publikums mit einem nächsten Werk wird halten können.

Marko Lehtinen

Zeal & Ardor: «Devil is Fine» (Radicalis).

Comments (0)

Write new comment

Die Redaktion behält sich vor, diskriminierende, rassistische, ehrverletzende oder hetzerische Kommentare zu löschen oder die Kommentarfunktion für diesen Artikel zu schliessen.

Kaum ein anderes Land ist so komplett und exakt vermessen und kartografiert wie die Schweiz. Die akribischen Landeskarten machen das bergige und...

Leggi tutto

Es geht um Sein oder Nichtsein: Für die Grünliberalen und die Bürgerlich-Demokratische Partei droht der Zerfall, wenn sie bis 2019 nicht deutlich...

Leggi tutto
Gesellschaft
07/14/2017

Die «böse» Schweiz

Wenn die Kriminalstatistik der Schweiz erscheint, fällt jeweils ein Schlaglicht auf die dunkle Seite des schweizerischen Alltags. Dieses Jahr erlaubt...

Leggi tutto

Im Weinbau setzt die Walliserin Marie-Thérèse Chappaz auf Natur. Und damit ihr Wein so wird, wie sie es sich vorstellt, scheut die international...

Leggi tutto

Die grossen Schweizer Orchester werden vor allem von Franzosen, Briten oder Italienern dirigiert. Drei aktuelle Schweizer Dirigenten kennt dennoch die...

Leggi tutto
 

Auslandschweizer Organisation
Alpenstrasse 26
3006 Bern, Schweiz

tel +41 31 356 61 10
fax +41 31 356 61 01
revue@aso.ch