Es sind auch Einzelschicksale

Der Bund muss sparen, diese Devise prägt das derzeitige politische Geschehen in Bern. Die Schuldenbremse und das Stabilisierungsprogramm sind omnipräsente Themen. Bei der Entwicklungshilfe, dem Bildungswesen, auf allen Ebenen soll gespart werden. Auf allen? Glimpflicher als erwartet kommt bei der aktuellen Sparrunde die Landwirtschaft davon. Sie erhält mehr als 2,5 Milliarden Franken an Direktzahlungen pro Jahr. Und während sich die Bauern dabei im Recht wähnen, erfüllt die Agrarpolitik des Bundes so manchen Bürger, der keinen direkten Bezug zur Landwirtschaft hat, mit leichter Befremdung.

Die Macht der Bauernlobby im Parlament ist eine Tatsache. Die neue Konstellation mit einer noch stärkeren SVP trägt dazu bei, und rund zwei Dutzend Bauernvertreter sitzen für die SVP, CVP und FDP im Nationalrat. Ihr Einfluss ist beachtlich, wie nicht nur das zuletzt meist zufriedene Gesicht des Verbandspräsidenten, CVP-Nationalrat Markus Ritter, sondern auch diverse Entscheide der Herbstsession belegen.

Es gilt allerdings zu differenzieren. Während vor allem die Grossbetriebe vom Verteilschlüssel der Direktzahlungen profitieren, haben kleinere Höfe – nicht zuletzt wegen diverser Gesetzesänderungen – das Nachsehen. Die Vermögens- und Einkommensgrenze ist aus dem Landwirtschaftsgesetz gekippt worden, und die Abstufung der Beiträge nach Fläche wurde abgeschwächt. So kommt es, dass die ehedem schon leidenden kleinen und mittleren Bauern zunehmend unter Druck geraten und das Verschwinden solcher Betriebe weiter anhält. Besonders hart trifft es die Milchbauern.

Dies ist die Kehrseite der Medaille. Die Geschichte eines jeden Hofes, der um seine Existenz kämpft, ist ein Einzelschicksal und verdient seine Aufmerksamkeit. So auch die Geschichte von Res Burren, des letzten Milchbauern im Weiler Aekenmatt, dem wir uns in dieser Ausgabe widmen.

Marko Lehtinen, Chefredaktor

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