Junge Auslandschweizer mit guten Chancen

Ruth von Gunten, Leiterin der ­Beratungsstelle für Ausbildungen in der Schweiz

Das duale Bildungssystem der Schweiz gilt als «Exportschlager». Grosses Interesse an der Berufsbildung mit Praxisnähe und Durchlässigkeit bekunden die USA, wie Bundesrat Johann Schneider-Ammann im Januar nach einem Besuch in Washington sagte. Auch für Auslandschweizer sei die Ausbildung in einem Lehrbetrieb oft eine sehr attraktive und lohnenswerte Alternative zur universitären Ausbildung, sagt die Leiterin der Beratungsstelle educationsuisse – Ausbildung in der Schweiz, Ruth von Gunten.

Wie viele Anfragen von jungen Auslandschweizerinnen und -schweizern zur Ausbildungsberatung erhalten Sie jährlich?

Es sind rund tausend Anfragen pro Jahr. Die Anfragen kommen nicht nur von Jugendlichen, sondern sehr oft auch von Eltern oder Verwandten in der Schweiz. Bei den Anfragen unterscheiden sich zwei Gruppen: Jene, die sehr allgemeine Fragen zum Thema Ausbildung in der Schweiz haben. Meist sind das junge Leute, die noch keine genauen Vorstellungen über die Berufswahl und ihre Ziele haben. Dann gibt es jene, es ist ungefähr die Hälfte, die schon eine Ausbildung gewählt haben und nun Unterstützung bei der Organisation in der Schweiz brauchen. Sehr oft betreffen diese Anfragen die Zulassungsbedingungen und das Stipendienwesen. 

Welches sind die häufigsten Berufswünsche der jungen Auslandschweizer?

Wir stellen fest, das bei der Mehrheit immer noch die Vorstellung besteht, für eine gute Ausbildung brauche es ein Universitätsstudium. Das Schweizer System mit der Berufslehre kennen zwar viele Auslandschweizer, dass daran anschliessend jedoch die Möglichkeit besteht, eine Berufsmatura zu machen und an einer Fachhochschule zu studieren, ist im Ausland immer noch wenig bekannt. 

Gibt es konkrete Voraussetzungen, die für alle Wege oder Berufe gleich sind?

Wichtigste Voraussetzung für jeden Weg sind gute Kenntnisse in einer Landessprache. Wer beispielsweise in Lausanne studieren möchte, hat ohne fundierte Französischkenntnisse keine Chance. Es gibt an den Universitäten in der Schweiz auch heute nur sehr vereinzelt Studiengänge in Englisch. Auch für die Berufslehren gilt: Sprachkenntnisse sind unerlässlich, ansonsten schafft es ein Lernender in der Berufsschule nicht. 

Können Sie Angaben machen zu den Kosten einer Ausbildung?

Für ein Hochschulstudium sind die Studiengebühren in der Schweiz vergleichsweise tief. Eher hoch sind die Lebenshaltungskosten. Je nach Studienort rechnen wir mit Kosten von zwischen 18 000 und 28 000 Franken pro Jahr. Während einer Berufslehre fallen für die Eltern etwas weniger Kosten an, da die Lernenden schon ab dem 1. Lehrjahr einen kleinen Lohn erhalten. 

Wissen Sie, ob die jungen Auslandschweizer nach der Ausbildung in der Schweiz bleiben oder in ihr Herkunftsland zurückkehren?

Genaue Angaben dazu haben wir nicht, aber wir wissen, dass viele nach einer Lehre oder einem Studium erste Berufserfahrungen noch in der Schweiz machen. Wer danach mit einem «gefüllten Rucksack» in seine zweite Heimat zurückkehrt, hat sicher gute Chancen und ist oft auch ein guter Vermittler zwischen den Kulturen. Oft leisten solche Leute auch wichtige Beiträge zur wirtschaftlichen Entwicklung.

Interview: Barbara Engel

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