Nach mehr als zwanzig Karrierejahren und fünfzehn veröffentlichten Alben sind «The Young Gods» zur internationalen Referenz für elektroindustriellen Rock und Klangexperimente, geworden. Die ursprünglich aus Freiburg stammende, in Genf niedergelassene Combo reiht ein eigenständiges Projekt an das andere und verblüfft das Publikum und ihre grosse, über die ganze Welt verstreute Fangemeinde immer wieder aufs Neue. 2005 und 2009 nahm sich das Quartett der Musik des Dokumentarfilms «Woodstock» (1970) an, danach liess es, ohne zu fackeln, alle Hüllen fallen und spielte auf dem Album «Knock on Wood» einen Teil seines Repertoires in akustischer Version. Das Ergebnis ist ein psychedelischer Folk-Blues, bei dem zwei Gitarren über groovigen Perkussionen mit einem Sitar flirten. Die Stimme von Franz Treichler, in deren Timbre und Klangfarben Jim Morrison zu spuken scheint, verleiht dem Ganzen schliesslich eine ganz besondere Magie. Er zögert nicht, einige ausgewählte Titel im Sound der «Young Gods» zu covern, wie «Freedom» von Richie Havens, «If Six Was Nine» von Jimi Hendrix oder «Everything In Its Right Place» von Radiohead.
Dieser schweizerische Meteor am Musikhimmel wurde 1985 gegründet. Bereits im Jahr darauf spielte die Band in London und veröffentlichte danach Album um Album. Sogar dem Komponisten Kurt Weill widmete sie 1990 eine CD. Die Stärke der «Young Gods» liegt in ihrem Status als Pioniere des Industrialrocks, bei dem schwere Gitarrenriffs über imposanten Samplings (repetitive Tonschlaufen) tanzen. Mit dem Opus «TV Sky» 1992 und seinem kosmischen Blues- Rock erschütterte die Band die Elektromusikwelt. «U2» und ihre Produzenten gestanden ihre Bewunderung für die Schweizer ein. Die Gods klapperten die Bühnen Nordamerikas ab und hängten eine Welttournee an, deren Kreativität auf dem 1993 in Australien aufgenommenen Album «Live Sky Tour» verewigt wurde. Im vergangenen Jahrzehnt erweiterte die Band ihre Horizonte mit Abenteuern wie «Amazonia Ambient Project» mit dem berühmten Ethnologen Jeremy Narby («Die kosmische Schlange») oder dem rein elektronischen Album «Music For Artificial Clouds», das von einem Auftritt der Combo im Rahmen der Expo 02 inspiriert war. Die «Young Gods» können alles samplen, vom Geräusch eines sich leerenden Spülbeckens bis zum Wassertropfen, der in eine Pfütze fällt.
Welche Überraschung halten Franz Treichler, Al Comet, Bernard Trontin und Vincent Hänni 2010 für uns bereit? Das wird sich im Verlaufe des Jahres mit der nächsten CD zeigen, die als Rock, Elektro und akustisches Album angekündigt wurde. Die Band ist jedenfalls in grosser Form, nachdem sie Ende 2009 zusammen mit Richie Haven spielten, dem legendären Gitarristen, der 1969 das Woodstock-Festival eröffnete. Wer die «Young Gods» und ihre Welt kennenlernen will, gibt den Namen der Gruppe am besten auf einer Video-Sharing-Site wie YouTube oder Dailymotion ein und das Abenteuer kann beginnen.
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