Wirtschaftsministerin Doris Leuthard ist Bundespräsidentin im laufenden Jahr. Da auch National- und Ständerat von Frauen präsidiert werden, sind die drei höchsten Ämter der Schweiz heuer in Frauenhand.
Von René Lenzin
Doris Leuthard hat eine politische Blitzkarriere hingelegt. Zwischen ihrem Eintritt ins Aargauer Kantonsparlament und der Wahl zur Bundesrätin vergingen nur knapp zehn Jahre. Am 14. Juni 2006 wählte sie die Bundesversammlung zur Nachfolgerin von Joseph Deiss, und am 1. August desselben Jahres übernahm sie von ihm die Leitung des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements. Die 46-jährige Christlichdemokratin (CVP) ist die fünfte Frau in der Landesregierung und die jüngste Bundes-präsidentin in den vergangenen 70 Jahren.
1999 wählten die Aargauer Stimmberechtigten Leuthard erstmals in den Nationalrat. Bereits zwei Jahre später war sie Vizepräsidentin der CVP Schweiz, und 2004 übernahm sie die Leitung der Partei. Zuvor hatte diese stetig Wähleranteile eingebüsst und musste im Dezember 2003 einen ihrer beiden Bundesratssitze an die Schweizerische Volkspartei abtreten. Unter Leuthard gelang der CVP zwar keine Trendwende, aber sie konnte immerhin den Wählerverlust stoppen. Leuthard war jene unverbrauchte und mediengewandte Politikerin, welche die Partei mit einem sozial-liberalen Profil wieder auf die Erfolgsstrasse zurückführen sollte.
Als Wirtschaftsministerin hatte Leuthard einen ruhigen Start. Mit der Finanz- und Wirtschaftskrise, deren negative Folgen für die Schweiz sie (zu) lange in Abrede stellte, brachen aber auch für sie schwierigere Tage an. Ausgerechnet in Zeiten sinkender Beschäftigung muss sie eine Revision der defizitären Arbeitslosenversicherung durchs Parlament bringen. Mit ihrem Einsatz für tiefere Importpreise und den Agrarfreihandel hat sie zudem viele Bauern gegen sich aufgebracht. Im letzten Oktober haben erzürnte Westschweizer Bauern mit Stiefeln nach ihr geworfen. Leuthard gilt als dossierfeste, aber eher risikoscheue Politikerin. Die ausgebildete Rechtsanwältin ist verheiratet und hat keine Kinder.
Zum Vizepräsidenten des Bundesrats für 2010 wählte die Bundes-versammlung Moritz Leuenberger (63). Der 1995 in die Landesregierung gewählte Zürcher Sozialdemokrat dürfte im Jahr 2011 zum dritten Mal Bundespräsident werden.
Auch die höchste Schweizerin ist Aargauerin. Nach Ruth Dreifuss (1999) und Micheline Calmy-Rey (2007) ist Doris Leuthard erst die dritte Frau, die zur Bundespräsidentin gewählt worden ist. Etwas häufiger haben Frauen bisher die beiden Kammern des Parlaments präsidiert. Im laufenden Jahr stehen Frauen sowohl an der Spitze des Nationalrats als auch des Ständerats. Als höchste Schweizerin leitet die 32-jährige Aargauer Sozialdemokratin Pascale Bruderer den Nationalrat; demStänderat steht die 65-jährige St. Galler Freisinnige Erika Forster vor. Damit besetzen Frauen erstmals in der Geschichte des Bundesstaats die drei höchsten Ämter im Land.
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