Schämen
Heute gäbe es wieder einmal, nach der unseligen Volksabstimmung von gestern zum Thema Minaretten-Bau, einen Grund, sich dafür zu schämen, dass man Schweizer ist. Aber ich konnte mich wenigstens darüber freuen, dass ausgerechnet der Bundestagsabgeordnete meines bayerischen Wahlkreises, der CSU-Geschäftsführer Alexander Dobrindt, sich klar und deutlich dagegen aussprach, dem Schweizer Beispiel zu folgen. Er äusserte sich sogar optimistisch über den negativen Ausgang einer solchen Abstimmung in Deutschland, falls es dazu käme.
Ich schrieb ihm also Folgendes: Dieses Mal möchte ich kein Anliegen vorbringen, sondern Ihnen zu Ihrer Haltung in der Frage, ob dem Schweizer Beispiel der Ablehnung der Minarette gefolgt werden soll oder nicht, herzlich gratulieren und Ihnen für Ihre mutigen und klaren Worte danken. Wenn ich, als Doppelstaatler und als dezidierter Weltbürger, nicht gänzlich ohne emotionale Identifikation mit einem Nationalstaat auskommen würde, würde ich mich heute wieder einmal dafür schämen müssen, noch Schweizer zu sein. Das Resultat der Volksabstimmung vom Sonntag ist ein zivilisatorischer Rückschritt in der einen Welt, zu der wir, aller immer noch in den Köpfen der Menschen bestehenden Hindernissen zum Trotz, auf dem Weg sind. Ich bin mir zwar nicht ganz so sicher wie Sie, dass eine ähnliche Abstimmung in Deutschland zu einem anderen Ergebnis als in der Schweiz führen würde. Und dort war ja auch die Mehrheit in Regierungskreisen gegen eine solche Verfassungsänderung. Allerdings ist es beruhigend, dass eine Verfassungsänderung auch noch nicht deshalb zwingend zustande kommen muss, weil sich jetzt so viele Wähler dafür ausgesprochen haben. Zum Glück gibt es einige Hürden, die hoffentlich hoch genug sein werden, damit nicht eine solch unwürdige Beschränkung der Religionsfreiheit ihren Einzug in die schweizerische Verfassung nimmt.
M. de Coulon, Schabsoien, Deutschland
Einseitig
Vielen Dank für die letzte Ausgabe der «Schweizer Revue». Wie viele Leser begrüsse auch ich die Existenz und den regelmässigen Erhalt des Blattes sehr und empfinde dies als Bereicherung.
Gefreut habe ich mich, dass sich das Editorial an prominenter Stelle über die Kultur der Schweiz äussert. Gerne möchte ich mir zu dem Text von Heinz Eckert einige Kommentare erlauben. In der Tat ist die hohe Kulturinvestition eine Auszeichnung für unser Land und in hohem Masse identitätsstiftend. Bedauerlich finde ich die ziemlich einseitige Beschreibung der florierenden Schweizer Kulturlandschaft. Abgesehen von der Nennung einiger Open-Air-Festivals beziehen sich die dargestellten Beispiele ausschliesslich auf die gehobene E-Kultur und erfasst somit nur den Wirkungskreis innerhalb einer relativ kleinen Bevölkerungs- und Gesellschaftsschicht. Dass sich die Präsenz Schweiz eher für diese Beispiele interessiert, ist nicht verwunderlich, ist ihre Aufgabe ja eher die Kulturvermittlung (Imagepflege) als ein Kulturdialog. Die kulturelle Vielfalt in der Schweiz ist aber um Weites grösser als im Artikel dargestellt. So fördert etwa Pro Helvetia die freie Szene der Kulturschaffenden. Dies sind durchaus auch Projekte jenseits kostspieliger Events (was in dem Artikel als Voraussetzung für Weltklassekultur dargestellt wird). Wichtig – gerade für eine auswärtige Kulturpolitik – ist die Förderung und der Austausch einer vielfältigen Kultur, die wesentlich über den Verweis bezüglich eines hochwertigen und teuren Kulturkonsums der Inlandschweizer hinausgeht. Demnach ist die Begriffswahl «kulturelle Grossmacht» im Fazit des Artikels ziemlich unglücklich: Ist die Kultur doch immer auch Mittel, um hegemoniale Machtstrukturen zu überwinden, um über reine Repräsentation hinauszugehen. Etwas anderes kann nicht Ziel der auswärtigen Kulturpolitik sein. Problematisch ist es, wenn die Kultur instrumentalisiert und als Exportware verstanden wird. Es braucht nicht nur ein Publikum, das zahlt, sondern auch eines, das partizipiert. Auch im Ausland.
Y. Regenass, Hildesheim, Deutschland
Ein Jammer
Nach 17 Jahren in Deutschland kehren wir wieder in die Schweiz zurück. Die «Schweizer Revue» war während dieser Zeit ein guter und interessanter Begleiter. Es wäre ein Jammer, wenn sie künftig nur noch digital abrufbar wäre. Viele von uns sitzen den ganzen Tag über am Computer und müssen berufshalber ständig an Mails angehängte Texte aufrufen und lesen. Wenn man sich jedoch mit solchen Texten intensiver befassen möchte oder muss, bleibt gar nichts anderes übrig, als sie dennoch auszudrucken. Dies bringt – insgesamt betrachtet – kaum eine Einsparung, wenigstens nicht für die «Konsumenten», sondern – einmal mehr – nur für den Produzenten.
Ich habe die «Schweizer Revue» gerne abends auf dem Sofa oder sonntags am Frühstückstisch gelesen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich jeweils den Laptop auch noch aufs Sofa oder an den Frühstückstisch mitnehmen würde, um die «Schweizer Revue» aus Kostengründen digital zu lesen.
Die Schweiz hat die Aufgabe, ihre Bürger im Ausland mit Informationen zu versorgen. Diese Aufgabe zu erfüllen, müsste der Schweiz mehr wert sein, als diese künftig nur noch – sozusagen als Alibiübung – digital abzuspeisen.
B. Hauser-Schäublin, Göttingen, Deutschland
Hilft der Umwelt
Besten Dank für die «Schweizer Revue». Die elektronische Ausgabe spart Papier und das hilft der Umwelt. Soeben habe ich ein ganzes Buch von 276 Seiten über die neuesten Gesetzesänderungen vom spanischen Innenministerium in wenigen Sekunden auf meinen Computer heruntergeladen. Auf der anderen Seite hat mir die schweizerische Zentrale-Ausgleichskasse SAK von Genf aus einen Brief mit Formular per Post geschickt, das ich von der zuständigen spanischen Behörde beglaubigen und stempeln lassen muss und das ich dann per Post in die Schweiz zurückschicken muss, um zu bestätigen, dass ich noch am Leben bin, respektive nach wie vor Anspruch auf meine bescheidene Rente habe. Wie viel Portogebühren und Papier das kostet, wird nicht verraten.
F. Leisinger, Marbella, Spanien
Frustriert
Ich bin so frustriert, wenn es immer heisst, die reichen Amerikaner würden ihr Geld in der Schweiz verstecken. Ich kann Ihnen versichern, dass die Reichen Möglichkeiten finden, diesem Chaos zu entkommen. Der kleine Mann ist es, der für alles bezahlen muss.
Wir sind eine Schweizer Familie, die in den letzten paar Jahren bereits in der ganzen Welt gelebt hat. Im Augenblick wohnen wir in den USA und sind dort im Besitz einer Green Card. Wir haben zwei Jungen im Alter von 19 und 16 Jahren, die hier zur Schule gehen. Die beiden verfügten seit ihrer Geburt über Bankkonten bei der UBS. Die Grosseltern überwiesen zu den Geburtstagen und an Weihnachten Geld auf diese Konten. Mein Mann und ich hatten ebenfalls zwei Konten – ein Sparkonto und ein Girokonto, das wir über 30 Jahre lang besassen. Darüber hinaus hatten wir über 20 Jahre lang eine Hypothek bei der UBS, weil wir eine kleine Wohnung in der Schweiz besitzen, die vermietet ist. Die Konten sind alle gemeldet, und zwar seit Jahren. Im Oktober wurde uns jedoch mitgeteilt, dass wir diese Bankkonten auflösen müssen, weil wir in den USA ansässig sind. Innerhalb von einer Woche erhielt ich vier Einschreiben zur Auflösung dieser Konten. Als wir anriefen, wurde uns gesagt, wir wären schon angerufen worden. Ich fühlte mich wie im Gefängnis. Als ich endlich mit jemand Zuständigem sprechen konnte, fragte ich, was mit unserer Hypothek passieren würde. Ich erhielt keine Antwort darauf. Sie hätten eigentlich nicht gleichgültiger sein können. Wir wurden wie der letzte Dreck behandelt. Ich fragte, ob wir unsere Konten in die für US-Kunden eingerichtete Struktur übertragen könnten. Darauf antwortete man mir, dass man mindestens CHF 50'000 benötige, um als Kunde angenommen zu werden. Welcher 19- oder 16-Jährige hat denn CHF 50'000 auf seinem Bankkonto?
Ich bin wirklich frustriert und sehr verärgert darüber, wie die UBS mit der ganzen Situation umgegangen ist.
G. Blackburne, Savannah, USA
Fein wie ein Stück Appenzeller
Und mag es auch etwas allgemein und repetitiv sein: Unsere ganze Familie freut sich jeweils riesig, wenn die neue «Schweizer Revue» erscheint. Das gilt besonders für meine Söhne, 11- und 12-jährig, die bereits in die Schweiz gereist sind und dort traumhafte Ferien verbracht haben. Bitte senden Sie uns Ihr Blatt weiterhin. Ausser einem Stück Appenzeller extra gibt es nämlich kaum etwas, was wir mehr geniessen. Mit herzlichen Grüssen aus den endlosen Weiten der Pampa.
G. Vidallé Baumgartner, Rosario, Argentinien
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