Die Kunst des Scheiterns

Er bestreitet seinen Lebensunterhalt vor allem mit dem Auffinden von Haustieren und dem Aufdecken kleiner Diebstähle, der Privatdetektiv Elia Contini. Kompliziert wird es, als er Mario, den verschwundenen Mitbesitzer einer Möbelfirma, aufspüren soll. Obwohl der Vermisste bald ins Familienunternehmen zurückkehrt, kann der Konkurs des Möbelhauses nicht abgewendet werden. Ein Verrückter mordet im Umfeld der Firma. Sowohl die Tessiner Polizei wie auch der Privatdetektiv tappen im Dunklen, bis Letzterer bei seinen Recherchen auf das heikle Thema der Dumpinglöhne stösst, die an Grenzgänger bezahlt werden. Liegt hier der Schlüssel zur Klärung der Morde?

Der Autor Andrea Fazioli beschreibt in seinem neuen Krimi nicht die Schokoladenseite des Tessins, der Sonnenstube der Schweiz. Die düstere Atmosphäre zieht den Leser in den Bann und lässt ihn nicht mehr los. Die Gewaltverbrechen sind schrecklich, werden aber nicht blutig erzählt. Das Aufkeimen einer zarten Liebesgeschichte hilft, die Stimmung etwas aufzuhellen. Touristen kommen in der Geschichte nicht vor. Die Protagonisten sind Einheimische in ihrer Arbeitswelt und Grenzgänger aus dem nahen Italien. Geschickt werden die kleinen Bagatellfälle, die Contini zwischenzeitlich auch mit Hilfe seiner «ewigen Verlobten» löst, mit den Mordfällen geradezu auf symbolische Art und Weise verbunden.

Feinfühlig und humorvoll ergründet Fazioli die existenzbedrohende Lage des beruflichen wie auch des privaten Scheiterns. Der italienische Originaltitel lautet denn auch «L’arte del fallimento» («Die Kunst des Scheiterns»). Das Aufspüren dieser Kunst soll dem Leser überlassen werden. Stilistisch setzt der Autor auf Dialoge und die neutrale Erzählperspektive. Der Roman liest sich zügig und leicht und doch hallt die Geschichte im Leser nach. Wie alle Krimis von Fazioli, in denen Contini die etwas eigenbrötlerische, aber sympathische Hauptfigur ist, lässt sich auch der vorliegende nicht einfach als reine Unterhaltung konsumieren und weglegen.

Andrea Fazioli wurde 1978 in Bellinzona geboren, wo er auch heute als freischaffender Autor lebt. Er studierte Französisch und Italienisch an der Universität Zürich und arbeitete als Journalist für Radio und Fernsehen. Übersetzungen von verschiedenen seiner Titel liegen auf Deutsch, Französisch und in weiteren Sprachen vor. Der vorliegende Krimi wird 2018 beim btb-Verlag München auf Deutsch erscheinen.

Ruth von Gunten

Andrea Fazioli: «L’arte del fallimento». Ugo Guanda Editore, 2016, 288 Seiten, ca. € 18.–.

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