Ein umfassender Pianist

Yannick Delez macht moderne Klaviermusik, die ihre Wurzeln im Jazz hat, aber auch Liebhaber von Klassik und Improvisation begeistert. Der seit 2011 in Berlin lebende 44-jährige Westschweizer überrascht mit einem aktuellen Doppelalbum, das er ganz alleine bestreitet: «Live/Monotypes» ist ein nahrhaftes Solowerk, auf das man sich immer wieder neu einlassen kann.

Der in Martigny geborene Musiker liess sich schon früh als Autodidakt vom Klavier begeistern. 1990 begann er seine professionelle Ausbildung an der Ecole de Jazz de Lausanne, die er erfolgreich mit dem Diplom für Klavier im Bereich Jazz/Performance abschloss. Er spielte mit verschiedenen Bands der Schweizer Jazzszene und war auch Mitglied von Piano Seven, einem Ensemble mit sieben Pianisten, mit dem er vier Alben einspielte und in Asien und Lateinamerika tourte. 2003 veröffentlichte er sein erstes Solo-album «Rouges», ein Jahr später gründete er sein eigenes Trio.

Seitdem hat Yannick Delez seine Klavierkünste immer nuancierter verfeinert. Die Kritiken bestätigen seine eigenwillige Klasse. «Produziert hat er ein überwältigendes Klaviersolo-Album, für das sich so schnell keine Vergleiche anbieten», schrieb etwa die Frankfurter Allgemeine Zeitung zu seinem letzten Werk «Boréales». Der TagesAnzeiger charakterisierrte ihn wie folgt: «Delez bietet eine seltene Mischung – vom Minimalismus übernimmt er den Sinn für Trance, vom Jazz die Improvisation, von der romantischen Klavierliteratur die Harmonik.»

Mit dem aktuellen Doppelalbum zeigt Delez sein pianistisches Spektrum in eindrucksvoller Weise. Die erste CD ist ein Live-Konzert, an dem er eigene Kompositionen und Standards verwebt und sich von der Haltung her als hochwertiger Jazzpianist zu erkennen gibt. CD zwei ist den «Monotypes» gewidmet, spontan improvisierten Stücken, die er im Beethoven-Haus in Bonn aufgenommen hat. Aus dem mehrstündigen Material hat Delez 17 kürzere Stücke ausgewählt und sorgfältig zueinander in Beziehung gesetzt.

Auf dem Opus verschmelzen die Genres so schwerelos, wie seine Virtuosität und präzise Motorik von impressionistischen Stimmungen, jazzigem Flow, schwelgerischen Eruptionen und liedhaften Momenten überlagert werden. «Wenn ich Musik mache, dann möchte ich die Hörer an die Hand nehmen, um mit ihnen an einen Ort zu gehen, an den sie von sich aus nicht gegangen wären», sagte Yannick Delez kürzlich gegenüber dem Magazin Jazz'n'More. Auf «Live/Montypes» gibt es eine Vielzahl solcher Orte zu entdecken, und sie sind die Reise wert.

Pirmin Bossart

 

Yannick Delez: «Live/Monotypes», Unit Records, 2017.

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