«Also schaue ich nach vorn»

Sie ist der Sonnenschein im Schweizer Showbusiness, nun wird Francine Jordi 40. Ein Gespräch über Rückschläge in der Stadl-Show, die Arbeit am neuen Album – und das optimistische Naturell der Sängerin und Moderatorin.

«Die deutschen Kollegen waren überrascht, wie schnell ich war im Sprechen»: Francine Jordi freut sich schon auf ihren Auftritt im nächsten Silvester-Stadl. Foto Thomas Buchwalder

Francine Jordi, im Juni feiern Sie Ihren 40. Geburtstag. Wissen Sie schon, was Sie dann tun werden?

Nein, ich plane meine Geburtstage immer sehr kurzfristig. Aber ich werde sicher etwas mit meiner Familie unternehmen. Und dann habe ich noch eine Wanderung geplant, an der alle, die Lust haben, teilnehmen können.

Sie sind eine Frau, die stets jugendlich wirkt, die Jugend regelrecht für sich gepachtet zu haben scheint. Wie fühlt es sich da an, 40 zu werden?

Ich glaube nicht, dass das ein grosser Einschnitt ist. Ich fühle mich gut und bin dankbar, auch mit 40 Jahren mein Leben geniessen zu dürfen. Es tut bis jetzt also nicht weh (lacht).

Sie sind gerade an der Arbeit an einem neuen Album. Können Sie schon etwas sagen dazu?

Mein langjähriger Produzent Tommy Mustac und ich sind daran, neue Lieder zu komponieren und uns durch Material zu arbeiten, das uns von aussenstehenden Komponisten angeboten wird. Wir schreiben viele Texte und Melodien selbst, nehmen aber immer auch Fremdkompositionen auf meine Alben. Etwa 200 Angebote landen im Schnitt beim Management, sobald wir an einer neuen CD arbeiten.

Wie wählen Sie die «richtigen» Songs aus?

Ich bin ein totaler Bauchmensch. Will ich dieses Lied wirklich singen? Entspricht der Text einer Stimmung, die ich wiedergeben will und kann? Es muss hundert Prozent stimmen.

Und arbeiten Sie gerne im Studio?

Es ist anders als auf der Bühne. An Konzerten stehe ich vor einer grossen Menschenmenge, die Arbeit im Studio ist dagegen etwas sehr Intimes. Ich mag beides, finde den Kontrast spannend.

Sie haben Ihre Karriere vor fast zwanzig Jahren als Sängerin begonnen, in den letzten Jahren haben Sie aber immer öfter als Fernsehmoderatorin Schlagzeilen gemacht. Dabei gab es auch schwierige Momente, wie etwa die Absetzung der internationalen Stadl-Show, die Sie moderierten. Was funktionierte da im Nachhinein betrachtet nicht?

Schwierig zu sagen. Damit das Konzept einer Sendung funktioniert, müssen ganz viele Elemente zusammenspielen, und es ist manchmal unmöglich, einen konkreten Fehler oder einen konkreten Grund zu finden, warum eine Show nicht so gut ankommt beim Publikum. Das Team, das hinter der Stadl-Show stand, war das gleiche, das nun zum dritten Mal mit mir den Silvester-Stadl macht. Den gibt’s ja noch – und er kommt viel besser an als die Stadl-Show.

Ja, für den Silvester-Stadl gab es letztes Jahr gute Kritiken. Und Sie werden ihn an der Seite von Jörg Pilawa nun wieder moderieren. Ist das nach dem Flop der eigentlichen Stadl-Show eine Genugtuung?

Genugtuung wäre das falsche Wort. Dass die Stadl-Show nicht funktionierte, wurde ja nicht primär mir angelastet. Von daher nahm ich das auch nie persönlich. Ich würde einfach sagen, dass ich mich auf die nächste Silvestersendung freue. Wir hatten mit dem Team und Jörg Pilawa das letzte Mal enormen Spass. Die Stimmung war super. Ausserdem finde ich das Format wichtig. Man muss sich bewusst sein, dass es im Bereich der Volksmusik fast keine grossen Formate mehr gibt im Fernsehen.

In solchen Sendungen sind Sie ja umgeben von deutschen Kollegen. Fühlen Sie sich als schweizerische Moderatorin ernst genommen? Oder werden Sie auch mal belächelt?

Belächelt? Im Gegenteil, ich glaube, meine deutschen Kollegen waren ziemlich überrascht, wie schnell ich war im Sprechen und wie viel Temperament eine Schweizerin haben kann (lacht). Ich fühle mich sehr wohl in dem Umfeld und habe das Gefühl, dass Schweizer Moderatoren in Deutschland und Österreich auch ganz generell geschätzt werden.

Spüren Sie einen Unterschied in der Art, wie Sie und Ihre deutschen Kollegen moderieren?

Nein, ich glaube nicht, dass es eine typisch deutsche oder eine typisch schweizerische Art zu moderieren gibt – trotz der unterschiedlichen Mentalitäten. Es kommt eher auf den einzelnen Typ an. Jörg Pilawa, der eher locker und lustig ist, unterscheidet sich deutlich von Johannes B. Kerner, der eher ernst und sachlich wirkt. Ein ganz anderer Typ ist wiederum Thomas Gottschalk.

Gehen wir nochmal zurück ins letzte Jahr: Nach der Absetzung der Stadl-Show funktionierte Ihre Sendung «Nur für Dich» am Schweizer Fernsehen ebenfalls nicht wirklich. Sie wurde nach vier Ausgaben eingestellt. Hand aufs Herz: Gabs nie einen Moment, in dem Sie daran dachten, mit der Moderation aufzuhören und nur noch zu singen?

Überhaupt nicht! Auch «Nur für Dich» scheiterte nicht an meiner Moderation, sondern am Konzept. Und jeder Mensch polarisiert halt auf seine Weise. Also schaue ich nach vorn und freue mich schon auf die nächsten Jobs vor der Kamera. Ich werde im Hessischen Rundfunk im Sommer eine nächste Sendung moderieren und gehe das sehr entspannt an.

Sie sind ein positiv denkender Mensch.

Das liegt in meiner Natur. Ich bin nicht jemand, die nach Rückschlägen hadert. Ich versuche, aus solchen Situationen zu lernen und daraus etwas Positives zu ziehen. Allerdings bin ich auch eine Beisserin. Sonst hätte ich meine fast zwanzig Jahre im Showbusiness nicht so gut überstanden.

Sie haben das Image der lächelnden Strahlefrau. Kann das in Zeiten, in denen es Ihnen weniger gut geht, nicht auch eine Bürde sein?

Nein, da ich mich nie verstelle. Ich bin wirklich so, und wenn es mir mal nicht gut geht, ziehe ich mich lieber zurück, als meine Trübsal an die grosse Glocke zu hängen. Vielleicht sieht man deshalb eher selten eine traurige Francine Jordi an der Öffentlichkeit. Und das ist ja auch nicht meine Aufgabe. Ich will den Menschen mit meiner Musik Freude bereiten und nicht in aller Öffentlichkeit meine Probleme ausbreiten.

Rückzug kann aber schwierig sein, wenn man wie Sie im Rampenlicht steht – auch in den Boulevardmedien. Ich denke da zum Beispiel an die Zeiten, in denen Ihre Ehe mit Tony Rominger oder Ihre Beziehung mit Florian Ast breitgetreten wurden.

Ich habe gelernt zu akzeptieren, dass das zu meinem Beruf dazugehört. Mein Leben ist nun mal sehr öffentlich und es wird sehr viel spekuliert und geschrieben. Aber ich lese nicht alles davon.

Nun werden Sie 40 Jahre alt. Die klassische Frage zum Schluss: Wenn Sie Ihre Karriere nochmal beginnen könnten, was würden Sie anders machen?

Nichts, ich sage immer: Man macht keine Fehler im Leben, nur Erfahrungen!

 

Francine Jordi, geboren am 24. Juni 1977 in Richigen bei Worb, begann ihre Karriere als Volksmusik-Sängerin. Mit dem Titel «Das Feuer der Sehnsucht» gewann sie 1998 bei ihrer ersten Teilnahme für die Schweiz den «Grandprix der Volksmusik». Ein weiterer Meilenstein war der Auftritt am Eurovision Song Contest 2002 mit dem Lied «Dans le jardin de mon âme». Später wechselte die Sängerin ihren Stil von der volkstümlichen Musik in Richtung Schlager. Sechs Mal wurde Francine Jordi zwischen 1998 und 2006 mit dem Prix Walo, dem Schweizer Unterhaltungsmusikpreis, ausgezeichnet. Ihre CDs wurden 7-fach mit Gold und 5-fach mit Platin ausgezeichnet. Das neuste, mittlerweile 14. Studioalbum «Wir» erschien 2015. Es kletterte in den Schweizer Charts auf Platz 3, in Österreich auf Platz 6.

Neben ihrer Karriere als Sängerin hat sich Francine Jordi seit über zehn Jahren auch als Moderatorin einen Namen gemacht. So war sie am Schweizer Fernsehen unter anderem an der Seite von Bernard Thurnheer und Sven Epiney und mit eigenen Formaten zu sehen. Die Stadl-Show des deutschen, schweizerischen und österreichischen Fernsehens moderierte sie gemeinsam mit Alexander Mazza, den Silvester-Stadl mit Jörg Pilawa.

LEH

Kommentare (2)
  1. Barbara Sandi Barbara Sandi am 19.05.2017
    Gerade habe ich Ihr Interview mit Francine Jordi gelesen.
    Hochgradig irritiert hat mich die Frage, des Interviewers,: "In solchen Sendungen sind Sie ja umgeben von deutschen Kollegen. Fühlen Sie sich als schweizerische Moderatorin ernst genommen? Oder werden Sie auch mal belächelt?" da frage ich mich, ob es um den Selbstwert der Menschen in der Schweiz gegenüber deutschen Menschen so schlecht bestellt ist. Und wenn ja, warum.
    In Deutschland, wo ich seit 25 Jahren wieder lebe, ist alles Schweizerische schon durch die Herkunft aus der Schweiz geadelt . Man lächelt vielleicht ein bisschen über die Sprache, in der viele Worte auf -li enden - es klingt halt scheinbar so herzig. Und man versteht sie eben auch nicht richtig, diese so ähnliche und doch so andere Sprache.
    Aber auch in Deutschland werden viele ,hochgradig unterschiedliche, Dialekte gesprochen:
    Z. B Fränkisch vs.Plattdeutsch: Gemeinsamkeiten gleich Null. Natürlich schmunzeln man da über regionale Eigenheiten, klingt halt- ja, so komisch.
    Ich nehme die Schweizer immer als sehr nationalstolz und selbstbewusst wahr. Ja, warum dann solche Fragen ?
    1. vtbuck vtbuck am 21.05.2017
      Total einverstanden mit Barbara S. ueber ein richtig irritierendes Interview !

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