«In der Champions League des Wintersports»

Die Ski-WM in St. Moritz steht vor der Tür. Der berühmte Ferienort im Engadin hat viel Erfahrung in der Organisation von internationalen Sportanlässen – und ist entsprechend vorbereitet.

Franco Giovanoli, Direktor der Ski-Weltmeisterschaft in St. Moritz, ist ein Snowboarder der ersten Stunde.

«Top of the World» – ein unmissverständlicher Werbeslogan: St. Moritz ist eine Marke, ein Ort, der anders als andere ist. Und die Bekanntheit des Nobelskiortes ist seit jeher auch an Sportevents gekoppelt. Der Skimarathon, zwei Olympische Winterspiele, das Pferderennen «White Turf» und mehrere Ski-Weltmeisterschaften haben ihren Teil zu dem beigetragen, was St. Moritz heute ist.

Vom 6. bis 19. Februar findet nach 1934, 1948, 1974, 2003 bereits zum fünften Mal eine Ski-WM im Engadin statt. Das ist Rekord. «Langsam werden wir kribbelig», sagt Hugo Wetzel, Präsident des Organisationskomitees. Und das Urgestein weiss, wovon er spricht, wenn es um seinen Job geht. Bereits bei der letzten WM-Austragung vor 13 Jahren stand er, wie auch Martin Berthod, Chef der Rennorganisation, dem Event vor. Von ihrer Erfahrung profitiert jetzt der neue Sportdirektor Franco Giovanoli. Seit 2014 widmet sich der einstige Snowboarder dem 60-Millionen-Event. Schon sein Vorgänger Gian Gilli war übrigens Quereinsteiger – der Sportdirektor der Weltmeisterschaft 2003 kam vom Langlauf.

Auffallend ist: Nicht nur der 48-jährige Giovanoli stammt aus St. Moritz selbst, sämtliche Schlüsselpositionen im Organisationskomitee sind mit Einheimischen besetzt. «St. Moritz zählt gewissermassen zur Champions League des Wintersports. Darauf sind wir stolz», sagt Hanspeter Danuser, von 1978 bis 2008 Kurdirektor des Ortes. Entsprechend viele Engadiner wirken bei solchen Anlässen mit. Oberstes Ziel müsse es sein, sich dank der Weltmeisterschaft an der absoluten Spitze der Ferienorte in den Bergen zu halten.

Ein Fest, aber keine Festhütte

Die Ski-WM wird unter dem Motto «Take Your Time» ausgerichtet. Man wolle sich den grössten Luxus, den man haben kann – eben, Zeit – nehmen. Neben den Wettkämpfen spielt das Rahmenprogramm deshalb eine grosse Rolle. Eine lebendige und vielfältige WM soll es werden, verspricht Giovanoli. Die Eröffnungsfeier, Siegerehrungen und Startlistenauslosungen werden nicht mehr wie 2003 auf dem Schulhausplatz, sondern im historischen Kulm-Park stattfinden. Auf dieser Grünfläche fanden bereits die Olympischen Winterspiele 1928 und 1948 statt. Der unter Denkmalschutz stehende Pavillon wurde eigens für die WM restauriert. Gefeiert wird auch in der Fussgängerzone, wo ein Street Festival mit zahlreichen Programmpunkten über die Bühne gehen wird. Auch die sogenannten Nationenhäuser werden dort stationiert sein. «Es hat alles, damit sich die Fans wohlfühlen», sagt Giovanoli. OK-Präsident Wetzel ist es allerdings ein Anliegen, dass St. Moritz während der WM nicht zu einer «Festhütte» wie beispielsweise Kitzbühel wird. «Wir wollen die eigene Zielgruppe ansprechen», so Wetzel.

Kaum Sorgen bereiten den Machern derweil die WM-Pisten, die alle Weltcup-erprobt sind. Im Zielgelände auf Salastrains wurde die Infrastruktur verbessert, das Gelände wurde erweitert. Über 120 Container wurden ausserdem gesetzt, und die Tribünenkonstruktion für 5000 Zuschauer steht bereit.

1300 freiwillige Helfer

Mit WM-Botschaftern wie Dario Cologna, Maria Höfl-Riesch, Nino Schurter, Marcel Hirscher, Christian Gross, Nino Niederreiter oder Nicola Spirig rührt das Organisationskomitee derzeit noch die Werbetrommel. «Dann wird mit den 140 000 Fans ein Fest gefeiert», findet Giovanoli.

Die 1300 freiwilligen Helfer wiederum erhalten während der WM im Schulhaus Grevas ein eigenes Zentrum. Dort können sie sich treffen, austauschen und sich auch auf die Olympischen Winterspiele 2026 freuen – falls diese in zehn Jahren tatsächlich in Graubünden und dann natürlich auch in St. Moritz stattfinden werden.

Just während der Ski-WM, am 12. Februar, werden die Bündner über erste Kredite des Millionenprojekts an der Urne befinden. Dass sich das Organisationskomitee der Ski-WM ein klares Ja zu Olympia wünscht, versteht sich von selbst.

René Weber ist Sportredaktor der «Südostschweiz»

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