Soul für Neueinsteiger

Sein sanfter, zugleich unterkühlter Blick ist den Schweizern bekannt – seine leidenschaftliche, zugleich beherrschte Stimme ebenfalls. Seven ist als bestimmende Grösse im schweizerischen Soul seit Jahren eine ebenso eindrückliche wie widersprüchliche Figur, stets sympathisch, irgendwo aber auch unnahbar und undurchdringlich. Für die einen ist sein Soul von ergreifender Schönheit, für die anderen zu sauber und schlicht zu schweizerisch.

Wie dem auch sei: Der 37-jährige Sänger aus Wohlen feiert in der Heimat seit 14 Jahren beachtliche Erfolge. Zehn Studioalben hat er bisher veröffentlicht, vom zweiten Werk an haben es sämtliche davon in die Charts geschafft. Das letzte Album «Back Funk Love Soul» landete 2015 sogar an der Spitze der Schweizer Hitparade. Dazu kamen mit den Jahren drei Live-Alben, die Sevens enorme Bühnenqualitäten unter Beweis stellten.

Das lässt sich sehen, und so zieht der Sänger mit einer «Best Of» erstmals Bilanz. 19 Songs aus den Jahren 2002 bis 2016 sind darauf enthalten, darunter die wichtigsten Singles von «Synthetic Soul» bis «Walking With You» sowie zwei interessante Duette mit Omar und Talib Kweli – und eine weniger interessante Zusammenarbeit mit Stefanie Heinzmann. Für eingefleischte Fans gibt es die Zusammenstellung auch als Doppel-CD mit 16 Bonus-Tracks, wovon einige live oder unplugged eingespielt sind.

Das neue «Best Of»-Album ist eine überaus stimmige Zusammenstellung für alle, die Seven erst heute entdeckt haben – oder ihn erst entdecken wollen. Und davon dürfte es neuerdings einige geben. Denn im vergangenen Frühling wirkte der Sänger in der deutschen Sendung «Sing meinen Song – das Tauschkonzert» mit. In dem auf Vox gezeigten Format trafen sich Sänger aus verschiedenen Genres an einem abgeschiedenen Ort, um die Lieder der jeweils anderen auf eigene Art zu interpretieren – mit Bandbegleitung, aber ohne weiteres Publikum.

Auf diesem Weg hat Seven erstmals auch ausserhalb der Schweiz im grösseren Stil von sich reden gemacht. Zwar erschienen bereits seine letzten Alben in Deutschland, so richtig aufmerksam geworden ist das Publikum aber erst jetzt. So gesehen ist der Zeitpunkt der vorliegenden «Best Of»-Veröffentlichung wohl kein Zufall. Sie soll, die Vermutung liegt nahe, dem deutschen Markt als Einstieg dienen – und vielleicht sogar den Anfang einer neuen Epoche in Sevens Karriere markieren.

Marko Lehtinen

SEVEN: «Best Of 2002–2016», Sony Music.

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