Leserbriefe

Dankbar für die Arbeitskräfte

Ich erschrecke über die Haltung vieler Menschen, die sich mit Arroganz über das Leid von Millionen Flüchtlingen lustig machen. Nun erlaube ich mir, da ich in Deutschland syrische Flüchtlinge betreue, die Frage, wer denn die Lücke schliessen soll, die der demografische Wandel in den nächsten Jahrzehnten in die erwerbstätige Bevölkerung reissen wird? Hier im Schwarzwald sind viele meiner Kollegen – Hoteliers, Gastronomen – so was von dankbar über die neuen Arbeitskräfte. Im Durchschnitt stellen sich die Syrer, selbst wenn sie einer anderen Religion angehören, nicht schlauer oder dümmer an als die einheimischen Arbeitskräfte. Und – ob Sie es glauben können oder nicht – ich sowie meine weiblichen Angestellten schätzen den «neuen Respekt», der uns entgegengebracht wird. Seit Monaten müssen wir keine schweren Kästen mehr schleppen, keiner macht anzügliche Bemerkungen oder lässt uns aufgrund unseres Geschlechts unangenehme Erfahrungen machen. Wir sind zufrieden bis begeistert und ich kann versichern, dass wir bloss einzelne negative Erfahrungen machen mussten.

Nicole Bartlome, Deutschland

Gut ausgebildete Flüchtlinge

Die Flüchtlinge aus Syrien sind weitgehend gut ausgebildet und könnten nach kurzer Zeit in den schweizerischen Arbeitsmarkt aufgenommen werden. Vor allem Ingenieure und Ärzte braucht die Schweiz, da immer mehr Schweizer diesen Berufsweg nicht mehr einschlagen. Ausserdem gibt es keine «unechten Flüchtlinge». Natürlich ist es Menschen mit Geld einfacher, das Land zu verlassen, was aber nicht heisst, dass sie zu Hause nicht um ihr Leben zu fürchten haben.

Karin Stricker, per E-mail

Das Drama der Flüchtlinge

Millionen von Menschen können gar nicht anders, als ihre Heimat zu verlassen. Wer Bilder dazu braucht, kann jene der ausgebombten syrischen Stadt Homs suchen. Oder Aleppo. Oder die zerbombten Spitäler in der kurdisch kontrollierten Zone. Das zweite grosse Drama spielt sich derzeit in den Kommentarspalten ab: Mit wenigen Ausnahmen treffen wir auf eine Mischung aus Faktenbehauptungen und zum Teil abenteuerlichen Unterstellungen. Und als ob es nicht schon schlimm genug wäre, wandelt sich die Diskussion zu einer xenophoben, rassistischen und völlig respektlosen Beschimpfung. Es ist halt so: Mit Hass lässt sich keines der Probleme lösen. Wenn wir ein völliges Debakel verhindern wollen, müssen wir jetzt anpackend Wege suchen, die Flüchtenden vor weiterem Elend zu bewahren und mit aller Kraft die Ursache der Konflikte zu bekämpfen, die überhaupt Flüchtlingsströme auslösen.

Helen Meier, per E-mail

Wohin mit den Illegalen?

Vor längerer Zeit konnte man erahnen, dass es massive Flüchtlingsströme aus Syrien und Afrika geben wird. Was hat die EU in Brüssel unternommen? Gar nichts! Sie hat sich in ihren Pfründen gesuhlt. Die EU-Länder sind nun überfordert, weil gar nichts vorbereitet wurde. Einem solchen Dilemma muss die Schweiz zuvorkommen. Die Grenzen müssten leider für eine gewisse Zeit geschlossen werden, um die Registrierung und die Zurückweisung in den Griff zu bekommen. Eine Ausweisung derjenigen, welche sich nicht anpassen können oder wollen, müsste unverzüglich vorgenommen werden. Ich lebe seit einigen Jahren in Thailand und finde, dass das thailändische Immigrationssystem auch in der Schweiz angewendet werden sollte. Diejenigen, die illegal hier sind, werden ohne Umschweife ausgeschafft. Es ist rigoros und für manche hart, aber effizient. In Europa liegt das Ausschaffungsproblem allerdings etwas anders. Wohin sollen die Auszuschaffenden denn hin, wenn in ihren Herkunftsländern Krieg und Verfolgung herrscht? Die Probleme in Europa, auch in der Schweiz, werden grösser und nicht einfacher werden.

Evelyn Degen, Thailand

Noch mehr Autos? Nein, Danke!

Ich lebe in Japan, wo alles für die Mobilität getan wird. Autobahnen werden ausgebaut und der Hikari Shinkansen, welcher alle zehn Minuten Tokio in Richtung Osaka und so weiter verlässt, befördert jedes Mal rund 700 Personen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt 150 km/h. Jeden Tag benützen 3,5 Millionen Leute den Shinjuku-Bahnhof. Wenn ich lebende Scampi morgens auf dem Tisch haben will, kann ich dies am Vortag in Kyushu bestellen, rund 1200 Kilometer entfernt, und bekomme diese garantiert. Natürlich wird dies per Lastwagen günstig geliefert. Macht dies alles Sinn? Ist das nötig? Wie viel Verschwendung von natürlichen Ressourcen genügen uns für unseren nie endenden Appetit auf noch mehr? Das Auto ist zu billig, Ferienflüge sind zu billig und Lastwagentransporte ebenfalls. Und die nächste Generation wird dafür bezahlen müssen: mehr Verkehr, mehr Autos und mehr Zersiedelung? Nein, Danke! In Sachen zweite Gotthard-Röhre habe ich mit Nein gestimmt.

Andre Zimmermann, Japan

Der extreme Touristenstrom

Nichts ist wünschenswerter, als den Strassenverkehr auf die Schiene zu verlagern. Zum Ersten sind Zugtransporte billiger als Strassentransporte. Zum Zweiten, in der Schweiz, wo die Eisenbahn durchwegs elektrisch betrieben wird, ist der Gewinn an Umweltfreundlichkeit durch Zugtransporte enorm. Ein neuer Autotunnel dagegen ist eine destruktive Konkurrenz dazu. Der Touristenstrom in Europa ist ohnehin schon extrem, zu extrem. Es sollte alles getan werden, um ihn einzudämmen. Tourismus ist ein gutes Gewerbe, wenn mit Mass betrieben. Übertriebener Tourismus zerstört jedoch die Umwelt. Deshalb: Ich habe Nein gestimmt zu einer zweiten Gotthard-Röhre.

Brigitte Meier, per E-mail

Keine bezahlbare Krankenkasse

Die Politik treibt sehr oft seltsame Blüten – beispielsweise die Idee zur Abschaffung des Doppelbürgerrechts. Ein anderes, meines Erachtens mindestens ebenso grosses Problem ist, dass Auslandschweizer keine für AHV-Rentner bezahlbare Krankenkasse in der Schweiz (auf der Basis einer Grundversicherung) abschliessen können. Einfache AHV-Rentner hätten mit Wohnsitz in der Schweiz Anrecht auf Ergänzungsleistung, was dem Staat Geld kosten würde. Was also spricht gegen eine angemessene und auch erschwingliche Grundversicherung?

Herbert Stäheli, per E-mail

Kommentare (2)
  1. Luise Luise am 02.04.2016
    I agree with Mr Herbst Staehleli, an affordable health insurance for us AHV pensioners abroad would surely be used extensively? Is there no one interested in that sort of business?
    Health care costs abroad, especially in the Southern Hemisphere, must be far less costly than in Switzerland?

    Luise Rae Southern Africa
    1. Marlies Hug De los Santos Marlies Hug De los Santos am 02.04.2016
      Eben deshalb gibt es keine Krankenkasse für AHV Bezüger, weil es viel zu teuer wäre. Im letzten Lebensjahr laufen bekanntlich die meisten Krankheitskosten auf. Und eine Krankenkasse in der Schweiz wäre auch etwas unsinnig, wo wir Auslandschweizer über die ganze Welt verteilt sind. Ich habe mich hier in meinem neuen Wahlaufenthaltsland - der Dominikanischen Republik - lokal versichert wie die übrige Bevölkerung auch. Das kostet mich CHF 35.-- pro Monat wie anno dazumal vor 40-50 Jahren in der Schweiz. Man kann bekanntlich nicht immer den "föifer und s'Weggli" haben. Ich renne auch jetzt viel weniger zum Arzt und bin auch weniger krank. Den Rest therapiere ich selbst mit homöopathischen Mittel und Internet-Recherche.

      Marlies Hug De Los Santos, Dominikanische Republik

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