Ein Sturm im Wasserglas?

Liebe Leserinnen und Leser, seit vergangenem November wirke ich als neuer Chefredaktor der «Schweizer Revue» in Bern. Dies ist mein erstes Editorial. Ich möchte Sie deshalb ganz herzlich begrüssen!

Wir beschäftigen uns in dieser Ausgabe schwerpunktmässig mit dem «Frankenschock».

Das Thema ist omnipräsent – seit über einem Jahr schon. Die ganze Schweiz spricht vom Frankenschock, seit die Nationalbank im Januar 2015 den Mindestkurs zum Euro aufgehoben und unsere Währung damit gestärkt hat. Der Eurokurs ist zeitweise auf unter einen Franken gefallen. Von Firmenschliessungen ist seither die Rede, von massenhaften Entlassungen. Direktbetroffene haben wegen des starken Frankens ihren Job verloren, zugleich hat die Situation für andere etwas Unwirkliches. Da wird man medial fast täglich mit diesem Thema konfrontiert, das Land wähnt sich offenbar vor dem Kollaps. Und doch bleibt der Schock für viele Menschen im Alltag ungreifbar und abstrakt. Manch einer fragt sich deshalb: War der Frankenschock wirklich einer – oder war er doch eher ein Sturm im Wasserglas, ausgelöst durch die chronische Verarmungsangst einer überaus wohlhabenden Gesellschaft?

Unterdessen hat sich der Eurokurs auf etwa einem Franken zehn eingependelt, und es zeichnet sich ab, dass die Schweizer Wirtschaft weit resistenter ist, als von vielen befürchtet. Wie unser Gastautor Daniel Hug im Schwerpunktartikel dieser Ausgabe darlegt, war die Aufwertung des Frankens zu Beginn zwar tatsächlich ein Paukenschlag. Die Abkopplung vom Euro lähmte die Wirtschaft, rund 10 000 Arbeitnehmern kostete das bis Ende Jahr die Stelle. Aber die Wirtschaft ist nicht daran zerbrochen. Was bleibt, ist die Unsicherheit über die weitere Entwicklung des Wechselkurses – und deren langfristige Folgen.

Marko Lehtinen

Kommentare (1)
  1. André Duplain André Duplain am 19.05.2016
    Bonjour, désolé pour la Confédération et ses pressions pour passer de la version papier à la version internet... avec laquelle j'ai beaucoup de difficultés à m'y retrouver. Je préfère donc conserver, malgré les coûts, l'imprimée à laquelle je suis habitué; de plus, au lieu de distribuer des millions à fonds perdus, la Confédération pourrait donner la priorité à ses ressortissants expatriés ! J'ose espérer que ce commentaire ne sera pas supprimé ! Cordialement.

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