Mehr Kandidierende, mehr Listen

Tim Guldimann von der SP wird als Auslandschweizer in den Nationalrat gewählt

Ein Sitz im Nationalrat muss wirklich attraktiv sein: Noch nie haben so viele Frauen und Männer die Last und die Lust des Wahlkampfs auf sich genommen. Nach Angaben der Schweizerischen Bundeskanzlei sind dieses Jahr in den 20 Kantonen mit Proporzwahl 3788 Kandidierende (2011 waren es 3458) ins Rennen gestiegen, eine Zunahme um 9,5 Prozent. Dazu kamen in den sechs Majorzkantonen mit nur je einem Nationalratssitz (Appenzell-Ausserrhoden und Appenzell-Innerrhoden, Ob- und Nidwalden, Glarus und Uri) weitere 14 Kandidaturen. Insgesamt wollten also 3802 Personen einen Platz in der Volkskammer. Der Anteil der Frauenkandidaturen ist gegenüber 2011 leicht gestiegen, von 32,8 auf 34,5 Prozent. Seit 2007 stagniert er bei rund einem Drittel. Zugenommen hat auch die Zahl der Listen in den Proporzkantonen, nämlich von 365 im Jahr 2011 auf 422 Listen in diesem Jahr.

Erstmals ein Auslandschweizer gewählt

Das Interesse der Auslandschweizer an einem Nationalratssitz hat im Verhältnis zur letzten Wahl etwas abgenommen: Dieses Jahr kandidierten 56 Auslandschweizer, 2011 waren es 73. Verschiedene Parteien sind mit «internationalen Listen» angetreten. Die Nase vorne hatte die SVP, die in zehn Kantonen internationale Listen angeboten hat. Grund für das nachlassende Interesse mag eine gewisse Ernüchterung sein: Seit der Einführung des brieflichen Stimmrechts 1992 hat die politische Bedeutung der Auslandschweizer zwar zugenommen, doch die Wahlchancen sind gering geblieben, denn die meisten Kandidaten sind praktisch unbekannt. Die Ausnahme war der Sozialdemokrat Tim Guldimann, wohnhaft in Berlin, prominenter Krisendiplomat und Botschafter auf wichtigen Posten, bis zu seiner Pensionierung in Deutschland im Mai 2015. Und prompt ist ihm der Coup gelungen: Er ist der erste echte Auslandschweizer überhaupt, der in den Nationalrat gewählt worden ist.

(JM)

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