Leserbriefe

Ich schäme mich

Seit 26 Jahren lebe ich in Deutschland und werde als Schweizerin immer mit Freude angenommen. Heute, am 21. September 2015, schäme ich mich zutiefst, Schweizerin zu sein. Ein Dorf in Kanton Aargau soll acht (!) Flüchtlinge aufnehmen und zahlt lieber 20 000 Franken! Arme reiche Schweiz.

R.G., Erkrath, Deutschland

Tönt vielleicht gebildet

Ansonsten schreibe oder rüge ich kaum Kommentare in Zeitungen. Doch diesmal ist der Dampftopf kochend: «POINTIERTER, SALOPP, DIFFAMIERT, KONKORDANZ, KONKORDANZDEMOKRATIE, KONSENSES etc.» tönt vielleicht gebildet? Meine Mutter würde sich im Grabe umdrehen, falls sie diese Verunedelung der (schweizer-)deutschen Sprache erfassen könnte – und das formuliert von der Chefredaktorin einer gern und weltweit gelesenen Schweizer Zeitung. En liebe Gruess.

René Graf, Maple Bay BC, Kanada

Schlecht vertreten

Wir Auslandschweizer werden generell schlecht geschützt und vertreten. Was man da so von Politik und Verwaltung hört, sind nur hohle Worte. Man spürt den Widerwillen, Auslandschweizer als 100-prozentige Schweizer Bürger ernst zu nehmen (auch auf vielen Konsulaten und Botschaften). Wir sind halt nicht alles Milliardäre mit Wohnsitz in den USA. Schon lange Zeit finden Auslandschweizer von keiner Partei die verdiente Aufmerksamkeit und werden hundsmiserabel vertreten. Die Auslandschweizerkommission ist zudem ein Tummelplatz von Null-Nummern und Taugenichtsen; ohne Ziel, ohne konkreten Auftrag, ohne jegliche Effizienz.

Wave Dancer, argonaut51@hotmail.com

Wir sind Auslandschweizer

«Schattenschlacht und Gegenwartsdeutung» von Georg Kohler, emeritierter Professor, ist eine kluge und wertungsfreie kurze Abhandlung über das Dilemma der Inlandschweizer in der Gegenwart. Sie hat jedoch wenig mit den Auslandschweizern – mich eingeschlossen – gemein, welche die sogenannte fünfte Kolonne darstellen. Denn wir haben gar keine Identität. Wir sind Auslandschweizer und werden seit jeher so behandelt, insbesondere wenn man Amerikaschweizer oder Schweizamerikaner ist. Sollten wir eines Tages der 27. Kanton werden, sind wir ebenfalls geteilt, und zwar in mindestens fünf Teile: die EG-Schweizer, die Schweizamerikaner (die Amerikaschweizer, die momentan von unseren Banken am schlechtesten behandelt werden – danken können wir dafür natürlich den Amerikanern!), die Common-Wealth-Schweizer, die Südamerikaschweizer und, der Kürze halber, die «Rest-der-Welt»-Schweizer. Was die Schweiz angeht, sind wir oft älteren Leute grösstenteils Heimweh-Schweizer, die vielleicht auf der Suche nach einem Bankkonto sind, damit sie eine Schweizer Tasse Kaffee kaufen können.

Robert Enggist, Hamilton, New Jersey, USA

Unseren Senf dazugeben

Also ich finde die Forderungen vieler Auslandschweizer bezüglich politischer Vertretung und eigenem Wahlkreis einfach nur frech. Es war unsere Entscheidung, unsere Heimat zu verlassen!!! Ich finde es äusserst grosszügig und sozial, dass wir immer noch abstimmen – unseren Senf dazugeben – können, obwohl wir nicht mehr in der Schweiz leben und letztlich unser Alltag kaum von den Abstimmungsergebnissen beeinflusst wird (ausser es geht direkt um Auslandsfragen). Ich bin ganz klar gegen einen speziellen Auslandschweizer-Wahlkreis. Würde auch nie einem Auslandschweizer meine Stimme geben. Wer in der Schweizer Politik aktiv mitmischen will, soll gefälligst auch wieder dort Wohnsitz nehmen. In meinen Augen ist es ein Privileg, dass wir überhaupft wählen und stimmen dürfen, ein Privileg, das längst nicht jedes Land seinen im Ausland wohnenden Bürgern einräumt.

Susanne Boss, s-boss@online.no

Ein Rechtsrutsch, bitte!

Es ist höchste Zeit, dass sich die Schweizer auf ihre 724-jährige selbstständige Unabhängigkeit besinnen. Dem Parlament täte es gut – anstatt sich in unklaren Floskeln (mit Ausnahme der gradlinigen SVP) immer noch auf die EU zuzubewegen – die teure Zeit für Besseres zu nutzen, nämlich für die Schweiz und ihre Schweizer. So wie es nur die SVP tut! Also Parlamentarier und Bundesräte des übrigen Parteiensalats in der Schweiz, macht einen kräftigen Rechtsrutsch Richtung SVP. Das Schweizer Volk wird es euch danken. Dieses Europa ist eh eine korrupte Union, die Steuergelder nicht hütet, sondern verschleudert. Siehe Griechenland und siehe auch nach dem leider immer korrupteren sozialistisch-kommunistischen «Podemos»- Spanien. Andalusien ist das beste Negativbeispiel.

Daniel Oppliger, danieleufemia@gmail.com

Kommentare (10)
  1. Rita Rita am 11.11.2015
    Gibt es eine Qualitätssicherung bei der Auswahl der Leserbriefe?
  2. Dr .Ute von der Heyde Dr .Ute von der Heyde am 12.11.2015
    Urdemokratie
    Für mich als Auslandsschweizerin, die in den USA, England, Niederland und Deutschland gelebt hat und lebt, ist die Schweiz das Land mit der aufrichtigsten Form der Demokratie. Der Bürger hat die Möglichkeit sachbezogen abzustimmen und das ist "das Mandat nicht abgeben" an Personen, die Parteien wechseln und die Stimmen demzufolge mitnehmen.
    Auch ich finde es anständig, dass ich wählen darf obwohl ich im Ausland zur Zeit lebe.
  3. Jean Thomas Weber Jean Thomas Weber am 12.11.2015
    Herr Oppliger, verunreinigen Sie unsere Revue nicht mit Ihrer SVP-Propaganda. Von wegen sich auf die korrupte EU zu bewegen: wer glaubt eigentlich noch immer dieses Märchen? Die SR ist das Medium für uns Auslandschweizer, bleiben Sie also getrost hinter ihrem vaterländischen Miststock sitzen und verschonen Sie uns mit Ihren Beiträgen. Danke!
    1. Francoise sofia nikolis Francoise sofia nikolis am 13.11.2015
      Ich kann herrn jean thomas weber nur von tiefstem herzen beistmmen. Aber leider "erleiden"diese menschen eine totale und sehr agressive gehirnwaesche.
    2. Franziska Ortega Franziska Ortega am 16.12.2015
      Von wegen Rechtsrutsch bitte!
      Offenbar kennen Sie die spanische Realität überhaupt nicht. Podemos ist keine kommunistische Partei, sondern die Antwort eines grossen Teils der Bevölkerung auf die korrupte rechte Regierungspartei Partido Popular, das Pendant der SVP in der Schweiz. Und von wegen Verschleuderung der Steuergelder: gerade Mitglieder dieser Partei haben Millionen veruntreut und unter anderem in die Schweiz geschafft, während die Regierung dieser Partei Lohnkürzungen und Steuererhöhungen auf dem Buckel der Arbeitnehmer durchgesetzt hat um die Banken zu retten. Aus diesen Gründen hoffen wir, dass es hier zu einem Linksrutsch kommt mit einer menschenfreundlicheren, nicht korrupten Regierung.
  4. Vuiman Vuiman am 14.11.2015
    Unseren Senf dazugeben
    (SUSANNE BOSS, S-BOSS@ONLINE.NO)
    ich bin absolut gleicher Meinung, der Kernsatz ist "Wer in der Schweizer Politik aktiv mitmischen will, soll gefälligst auch wieder dort Wohnsitz nehmen." (Y)
    1. A A am 26.11.2015
      Lieber Herr Weber! Frage an Sie: Linksmeinung ist etwa keine Propagande?
  5. Vuiman Vuiman am 14.11.2015
    Ich schäme mich
    (R.G., ERKRATH, DEUTSCHLAND)
    bestimmt sprechen Sie die "Reportage" im deutschen TV über Oberwil-Lieli an.
    <<SVP-Glarner schockiert die ARD - Aufnahme aus dem ARD Morgenmagazin vom 21.09.2015>>
    wenn man einen voreingenommenen, rotgrünlinken hochgradig "korrekten" ARD-Reporter auf hardcore SVP-Gemeindeammann Andreas Glarner loslässt, und alles noch in weinerlichem "Humanitätsverpflichtungs"-Geschwurbel einpackt, muss es niemanden wundern, wenn so eine "Reportage" draus wird.
    fragen Sie ihre deutschen Freunde HEUTE (nach den Anschlägen in Paris), was sie über die Politik von Oberwil-Lieli halten?
    ich bin mir sicher, Sie können sich dann auch für ihre Freunde schämen!
  6. Bernard J. Wohlwend Bernard J. Wohlwend am 16.01.2016
    Madame la Rédactrice en chef,Retraité résident au Portugal depuis 8ans, suisse de l'étranger pendant plus de 20 ans, j'apprécie énormément la Revue Suisse, en particulier depuis que vous en assummez la rédaction.Dans votre édition de novembre 2015, des lecteurs se prononcent, négativement pour la plupart, sur le statut de suisses de l'étranger. Pour ma part, il m'a toujours été expliqué que le but des représntations diplomatiques est d'oeuvrer pour les citoyens de leur pays d'affectation et non pour les suisses.Ceci dit, j'ai toujours trouvé un accueil chaleureux et une aide efficace auprès de nos diverses représentations diplomatiques dans le monde.
  7. Sylviane Darbellay Sylviane Darbellay am 24.11.2016
    I am a dual Swiss/Australian Citizen. In 2012, I tried to open a bank account at UBS in Martigny, Switzerland. Notwithstanding the facts that in the past I had worked with the person serving me, that I had a Swiss driver's license,and that I was known to several employees of the bank, I was unable to do so, because my Swiss passport had expired. (I travel with an Australian passport.)So now, when I will eventually get my pension,most of it will go in bank fees. Exactly what I wanted. Not! Sylviane Darbellay

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