Die Angst vor einem Kontrollverlust?

Die Entscheidung der Nationalbank zur Freigabe des Schweizer Frankens wurde von der Furcht vor einem Kontrollverlust über die Währung geleitet, glauben Ökonomen. Ein erneuter Blick auf die Aufwertung des Frankens, welche die Wirtschaft des Landes bedroht.

Am 15.Januar gab die Schweizerische Nationalbank die Aufhebung des Mindestkurses von 1.20 Franken pro Euro bekannt. Damit kletterte die europäische Fluchtwährung umgehend auf Rekordhöhen, wobei ein Euro zeitweise nur noch 80 Rappen kostete. Gleichzeitig registrierte die Schweizer Börse allein infolge der Ankündigung dieser Massnahme einen Einbruch um knapp 15%.

Zwar ist der Frankenkurs seitdem wieder deutlich gesunken und die Aktienkurse haben sich erholt. Doch die Schweizer Währung ist aufgrund ihrer Attraktivität – die Aufwertung betrug von Januar bis Ende März 14% – weiterhin zu stark. Blaise Matthey, Generaldirektor des Verbands der Westschweizer Unternehmen Genf, rechnet damit, dass dieser Entscheid mit seinen Auswirkungen auf die Produktionskosten «ab diesem Jahr einen Konjunkturabschwung und wohl einen Anstieg der Arbeitslosigkeit» zur Folge haben wird. Diese Entscheidung wird die Schweiz erschüttern, glauben auch Marcelo Olarreaga und Michel Girardin, Wirtschaftsprofessoren an der Universität Genf.

Die Gründe

Warum hat die SNB gerade diesen Moment für die Freigabe des Frankens gewählt? Und warum hatte sie im September 2011 beschlossen, einen Euro-Mindestkurs festzulegen? Die beiden Professoren sind sich einig, dass das eine ausgezeichnete Entscheidung war. «Die europäische Währung hatte aufgrund der Schuldenkrise in der Eurozone stark an Wert verloren», so Marcelo Olarreaga. «Die Schweizer Waren verteuerten sich und der Franken wurde immer attraktiver. Es bestand daher Rezessionsgefahr.» Als der Euro fast Parität mit dem Franken erreicht hatte, beschloss die SNB, auch auf Druck der Wirtschaft einen EuroMindestkurs von 1.20 Franken festzulegen.

Das unabhängige Organ und Währungshüter des Landes begann also Franken zu kaufen und zu diesem Kurs (und nicht darunter) zu tauschen. «Die SNB hat Franken verkauft und Vermögenswerte in Euro sowie europäische Anleihen gekauft, um die Wirtschaftstätigkeit des Landes zu stützen», fasst Marcelo Olarreaga zusammen. Die Massnahme, Franken zu drucken, um Devisen – Yen, Dollar, Rubel usw. – aufzukaufen, bescherte der SNB aber eine Bilanzsumme von 550 Milliarden Franken, was 80% des Schweizer BIP entsprach und letztlich Anlass zur Besorgnis gab.

Marcelo Olarreaga glaubt, dass die Entscheidung zur Aufhebung des Euro-Mindestkurses von der Angst der SNB vor einem Kontrollverlust über die Währung geleitet wurde. «Der Verfall des Rubels, der Bürgerkrieg in der Ostukraine, aber auch die von der Europäischen Zentralbank (EZB) angekündigten massiven Anleihenkäufe liessen eine Abwertung des Euro befürchten. Die Aufrechterhaltung des Euro-Mindestkurses von 1.20 Franken hätte in diesem Fall noch mehr Euro-Ankäufe erfordert, um den Franken auf einem akzeptablen Niveau zu halten», erläutert er. Gleichzeitig glaubte die SNB, dass die in Umlauf befindliche Frankenmenge letztendlich zu einer Inflationsgefahr für die Schweiz führen könnte. «Die SNB befürchtete den Verlust ihrer Unabhängigkeit in dem Fall, dass die Frankenbesitzer – Banken, Pensionskassen, Privatpersonen – begonnen hätten, ihre Franken zu verkaufen, was eine Abwertung der Schweizer Währung bewirkt hätte», ergänzt der Genfer Ökonom.

250 Milliarden Euro in den Tresoren

Die beiden Genfer Ökonomen weisen auch darauf hin, dass die SNB einen Teil ihres Gewinns an die Kantone ausschüttet. Die Zentralbank fürchtete sich möglicherweise vor deren Reaktion in dem Fall, dass dieser Geldsegen versiegen würde, so Michel Girardin. In Anbetracht der Tatsache, dass die SNB derzeit bereits knapp 250 Milliarden Euro in ihren Tresoren hält – Devisen, die zum Teil zu einem Kurs zwischen 1.40 und 1.50 Franken gekauft wurden – «zog sie es vor, die Notbremse zu ziehen, um Schlimmeres zu vermeiden». Mit anderen Worten: Die SNB wollte verhindern, dass ihre Bilanz noch weiter aufgebläht wird und sie bei einer Aufhebung des Euro-Mindestkurses auf Bergen von entwerteten Euros sitzen würde.

Die beiden Genfer Ökonomen sind sich noch in einem weiteren Punkt einig: Der Zeitpunkt der Entscheidung war nicht richtig. Michel Girardin ist der Ansicht, dass das Hauptargument der SNB zur Rechtfertigung des Zeitpunkts ihrer Entscheidung nicht zutrifft. «Die SNB gab an, dass der Franken Anfang Januar 2015 weniger überbewertet war als im September 2011, zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des Euro-Mindestkurses». Doch eigentlich hat sich zwischen diesen beiden Zeitpunkten nichts verändert. Dies beweist Michel Girardin zufolge die Tatsache, dass die reale Kaufkraftparität zwischen der Eurozone und der Schweiz unverändert geblieben ist (bei 1.31 Franken für 1 Euro). Der Professor vertritt die Ansicht, dass die Abwertung des Frankens seit 2011 ausschliesslich auf die Entwicklung des Dollars zurückzuführen ist, die ihrerseits positiv für den Teil der Schweizer Wirtschaft ist, der in das Dollargebiet exportiert.

Marcelo Olarreaga weist seinerseits auf die Schwierigkeiten der lateinamerikanischen Länder hin, ihre Währungen zu stützen. Sie müssen hierfür ihre eigene Währung mit Dollars kaufen. «Die Verteidigung einer Kursuntergrenze ist einfacher als die Stützung einer Obergrenze. Die Schweiz hatte keine Dollars zur Unterstützung ihrer Politik benötigt, sondern lediglich Franken, die sie selbst druckt. Sie hätte den Euro-Mindestkurs ohne grosses Risiko beibehalten und nur im Falle eines tatsächlichen Wertverlusts des Euros reagieren können.»

Die Situation ist sogar im Moment noch schlimmer, findet der Experte für Entwicklungsökonomie, denn die Schweiz wird nun noch massiver am Markt intervenieren müssen, um die Marktteilnehmer davon zu überzeugen, dass der Franken nicht so stark ist. «Die Kursuntergrenze sorgte für eine Vorstellung vom Wert dieser Währung. Vor Ende 2014 hat die SNB im Übrigen viele Monate lang nicht interveniert. Jetzt gibt es keinen Anhaltspunkt mehr», schliesst er seine Erklärungen.

Die Folgen eines zu starken Frankens

Anstieg der Exportpreise, relativer Lohnanstieg, Rückgang der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen, Anstieg der Arbeitslosigkeit: Diese Übel könnten der Schweizer Wirtschaft drohen. Blaise Matthey, Generaldirektor des Verbands Westschweizer Unternehmen Genf, gibt zwei konkrete Beispiele für die Auswirkungen des Franken-Anstiegs. Das erste ist das eines Fertigungsunternehmens, das seinen ausländischen Zulieferer gebeten hat, seine Preise zu senken. «Dieser hat sich geweigert, sodass der Schweizer Unternehmer nun keinen Handlungsspielraum mehr hat», fasst er zusammen. Das zweite ist das eines Schweizer Unternehmens nahe der französischen Grenze, das Bücher für den Export in die Eurozone druckt. «Die Gesellschaft hat jüngst in ein neues Fliessband investiert. Doch jetzt sind ihre Exportpreise zu hoch. Sie denkt darüber nach, den Grossteil ihrer Produktion auf die andere Seite der Grenze zu verlagern und nur noch die Verwaltung in der Schweiz zu lassen», erzählt Blaise Matthey. Über die Ratschläge des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO) an die Schweizer Unternehmen kann er nur verbittert lachen. «Die Unternehmen haben bereits in vielen Bereichen gehandelt, um ihre Produktivität zu verbessern, Neuerungen einzuführen usw.», betont er.

Seiner Meinung nach ist die Wirtschaft unter Druck und der Schweizer Alleingang in einer Welt, in der sich heute grosse Wirtschaftsblöcke wie Europa und die USA gegenüberstehen, nicht mehr haltbar. Er fragt sich: «Was ist ein Schweizer Franken wert, der seine Wirtschaft erstickt?»

Ökonomie-Professor Marcelo Olarreaga weist darauf hin, dass die Schweizer Löhne mit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses schlagartig um 15 bis 20% gestiegen sind. Das Land, dessen Exporte zu einem Grossteil nach Europa gehen, sieht sich einem Preisanstieg ausgesetzt, dessen logische Folge ein Rückgang oder bestenfalls eine Stabilität des BIP ist. «Es ist ganz einfach», erläutert der Genfer Professor, «man kann inzwischen viel günstiger im benachbarten Frankreich Ski fahren gehen.»

Kommentare (19)
  1. Urs C. Grassi Urs C. Grassi am 17.05.2015
    Einseitiger "Wohlgefälligkeits-Bericht". Es ist diletantisch, stets nur von einem starken Franken zu lamentieren. Das Problem ist ebenso ein schwacher Euro. Während die südeuropäischen Euro-Länder bluten, sprudelt die deutsche Wirtschaft nur so auf Kosten der anderen EU Oekonomien. Deutschland übertrifft seine Wirtschaftsleistung stets von neuem - dank schwachem Euro und Dumpinglöhnen.
    Zum USD hat der Franken kein Problem wegen angeblicher Ueberbewertung. Und die Weltwirtschaft besteht ja nicht nur aus Euro, sondern noch immer mehrheitlich in gehandelten USD.
    Dass Schweizer Qualität ihren Preis hat, der auch bezahlt wird, beweisen die Zahlen zB. aus der Uhrenindustrie oder gar auch aus dem Tourismus: Trotz ursprünglichem Wehgeschrei wegen der Frabken-Freigabe ging es *bergauf" und nicht wie prophezeit "bergab".
    Der bejammerte "starke" Franken dient als Prügelknabe und Vorwand für Lohnkürzungen, Kurzarbeit und mangelnde Strukturkompetenz. Oft missbraucht zur Gewinnoptimierung oder Daseinsberechtigung gewisser Gewerkschafts-*Ökonomen. Ein Frankenkurs von 1.31 zum €würde der Mehrheit den Werktätigen noch weniger im Portemonnaie bescheren: 31% höhere Importpreise zB. für Lebensmittel, aber mit Garantie nicht ebenso massiv höhere Löhn
    1. André Dünner André Dünner am 17.05.2015
      Kann Ihnen nur zustimmen. Der Ausdruck "starker Franken" ist wirklich eine Wortklauberei und dient lediglich dem Wehgesang von einigen noch massiver in Arbeitsverträge einzuwirken, oder nach Subventionskassen zu greifen.
    2. Fred Suban Fred Suban am 17.05.2015
      Georges Pompidou sagte einmal: Ein Ruin kann 3 Ursachen haben: Frauen, Wetten oder die Befragen von Fachleuten (Experten)"
      Die Erfahrung hat sehr oft gezeigt, wie "Experten" sich geirrte haben.
      Denn hinterher will es mancher schon vorher gewusst haben.
    3. Rolf H. Meier Rolf H. Meier am 18.05.2015
      Ja - wirklich nur ein einseitiger Gefälligkeits-Bericht und blosse Wortklauberei. Kein Wort von den massiven Verlusten, welche die SNB der nach Aufhebung des künstlichen Frankenaufwertung auf ihrem Bestand an Fremdwährungen erlitt. Nimmt man rund 500 Mrd. Fr. als Basis, so dürften bei einer mittleren Kurseinbusse dieser Währungen von 12 % das für die SNB geschätzte Wechselkursverluste von über 50 Mrd. Fr. in einem Tag ergeben haben!

      Und was soll denn das Gespenst höherer Preise für Schweizer Konsumenten? Genau das Gegenteil ist der Fall: seit der Aufhebung sind die Preise in der Schweiz massiv gesunken. Der vom Bundesamt für Statistik (BFS) berechnete Gesamtindex der Produzenten- und Importpreise zeigte im April 2015 einen Rückgang um 2,1 % gegenüber dem Vormonat und erreichte den Stand von 92,4 Punkten (Basis Dezember 2010 = 100). Tiefere Preise zeigten insbesondere Maschinen, elektronische und optische Produkte, Metallprodukte, elektrische Ausrüstungen, Automobile und medizinische Apparate. Innert Jahresfrist sank das Preisniveau des Gesamtangebots von Inland- und Importprodukten um 5,2 % - so tief wie seit Jahren nicht mehr.

      Die SNB musste doch lernen, dass für die kleine Schweiz zwischen den Fronten des Währungskriegs ein freier Wechselkurs des Franken nicht möglich ist. Die Ursache dafür ist eine Tugend, die die Schweiz mit Japan gemeinsam hat: Hohe gesamtwirtschaftliche Ersparnisse, die seit Beginn der 1980er Jahre über den Investitionen liegen. Dies impliziert für beide Länder hohe Leistungsbilanzüberschüsse und hohe Nettokapitalexporte. Das Nettoauslandsvermögen der Schweiz ist auf 1000 Milliarden Dollar, das Nettoauslandsvermögen Japans ist auf ca. 3000 Milliarden Dollar angestiegen (2014). Der grösste Teil dieser Auslandsvermögen ist je-doch in Fremdwährung (€, $) angelegt, weil die Euro- und Dollarkapitalmärkte attraktiver sind und ein höheres Zinsniveau bieten. Die Verteidigung des Franken-Kurses durch die SNB hat die Auslandvermögen der Schweiz schon im Jahre 2012 nach oben getrieben. Insgesamt nahm das Volumen um 205,6 Mrd. auf 3577 Mrd. Franken (rund 3 Bill. Euro oder 2,25 Bill. Dollar) zu.
    4. Rolf H. Meier Rolf H. Meier am 18.05.2015
      Ja - wirklich nur ein einseitiger Gefälligkeits-Bericht und blosse Wortklauberei. Kein Wort von den massiven Verlusten, welche die SNB nach der Aufhebung der künstlichen Frankenabwertung auf ihrem Bestand an Fremdwährungen erlitt. Nimmt man rund 500 Mrd. Fr. als Basis, so dürften bei einer mittleren Kurseinbusse dieser Währungen von 12 % das für die SNB geschätzte Wechselkursverluste von weit über 50 Mrd. Fr. in einem Tag ergeben haben! Mit anderen Worten: Die Aufhebung der Euro-Kurs-Untergrenze hat der Nationalbank Wechselkursverluste von schätzungsweise 60 Mrd. Fr. eingebrockt.

      Und was soll denn das Gespenst höherer Preise für Schweizer Konsumenten? Genau das Gegenteil ist der Fall: seit der Aufhebung sind die Preise in der Schweiz massiv gesunken. Der vom Bundesamt für Statistik (BFS) berechnete Gesamtindex der Produzenten- und Importpreise zeigte im April 2015 einen Rückgang um 2,1 % gegenüber dem Vormonat und erreichte den Stand von 92,4 Punkten (Basis Dezember 2010 = 100). Tiefere Preise zeigten insbesondere Maschinen, elektronische und optische Produkte, Metallprodukte, elektrische Ausrüstungen, Automobile und medizinische Apparate. Innert Jahresfrist sank das Preisniveau des Gesamtangebots von Inland- und Importprodukten um 5,2 % - so tief wie seit Jahren nicht mehr.

      Die SNB musste doch lernen, dass für die kleine Schweiz zwischen den Fronten des Währungskriegs ein künstlich angebundener anstatt freier Wechselkurs des Franken nicht möglich ist. Die Ursache dafür ist eine Tugend, die die Schweiz mit Japan gemeinsam hat: Hohe gesamtwirtschaftliche Ersparnisse, die seit Beginn der 1980er Jahre über den Investitionen liegen. Dies impliziert für beide Länder hohe Leistungsbilanzüberschüsse und hohe Nettokapitalexporte. Das Nettoauslandsvermögen der Schweiz ist auf 1000 Milliarden Dollar, das Nettoauslandsvermögen Japans ist auf ca. 3000 Milliarden Dollar angestiegen (2014). Der grösste Teil dieser Auslandsvermögen ist je-doch in Fremdwährung (€, $) angelegt, weil die Euro- und Dollarkapitalmärkte attraktiver sind und ein höheres Zinsniveau bieten. Die Verteidigung des Franken-Kurses durch die SNB hat die Auslandvermögen der Schweiz schon im Jahre 2012 nach oben getrieben. Insgesamt nahm das Volumen um 205,6 Mrd. auf 3577 Mrd. Franken (rund 3 Bill. Euro oder 2,25 Bill. Dollar) zu.
  2. Doris joho Doris joho am 17.05.2015
    Ich stimme mehrheitlich mit Urs C. Grassi überein, ich verstehe die EZB nicht, monatlich 60 Millionen € zu drucken. Die sind ja nicht normal. Wem hilft es? Den Deutschen natürlich. Aber der südliche Resten der EU serbelt genau so weiter. Und wer bezahlt das? Die neu gedruckten € Scheine, die das Papier nicht wert sind
    1. Stephan Orth Stephan Orth am 18.05.2015
      Wie immer bei solchen Diskussionen haben die meisten der Beitragenden in diesem Forum irgendwo recht. Die SNB hätte allerdings vor dem Hintergrund der hier in der Mehrheit kundgegebenen Meinungen nie einen Fixkurs von 1,20 Franken/1 Euro einführen dürfen. Die Meinung der Ökonomen im Artikel der Schweizer Revue ist bezüglich der fehlenden Argumente der SNB für das plötzliche Verlassen der monetären Interventionspolitik, daher berechtigt. Ob dies ein "Fehler" war zeigt sich sicher nicht anhand der aktuellen Wirtschaftszahlen, man wird noch mindestens 2 Jahre abwarten müssen. Die Ängste der in der Schweiz ansässigen Großkonzerne bezüglich des erstarkenden CHF sind sicher nicht einfach so wegzudiskutieren bzw. aus der Luft gegriffen. Inwieweit diese real begründet sind, werden wir mittelfristig sehen. Zum Kommentar von Doris Joho: "ich verstehe die EZB nicht, monatlich 60 Millionen € zu drucken. Die sind ja nicht normal. Wem hilft es? Den Deutschen natürlich." Diese Aussage ist natürlich absoluter Unfug, da die Deutschen traditionell auf eine stabile Währung setzen und das Geld drucken der EZB nur im Sinne der finanziell angeschlagenen Länder in der EU ist - d.h. aufgrund der dort herrschenden Probleme u.a. eine hierdurch eine Inflation herbeizuführen (die, siehe Japan in den letzten Jahrzehnten, keinesfalls durch Geldmengenmehrung eintreten muss) von Herrn Draghi iniziiert wurde - und zwar gegen massiven Druck von Deutschland (insbesondere der Deutschen Bundesbank).
  3. al-ajba al-ajba am 17.05.2015
    kein bekanntes system funktioniert
    etwas à la "open source" sollte kreiert werden
  4. Markus Immer Markus Immer am 17.05.2015
    Es geht nicht NUR um "Kontrolle". Als kleines und angeblich wohlhabendes Land sind und waren wir schon immer den kaum freundlichen Attacken aus dem Ausland ausgesetzt. In Politik und Wirtschaft gibt es keine "Freunde" das ist Unsinn. ABER es geht vielmehr um das richtige REAGIEREN können. Da habe ich mehr Vertrauen zum Nationalbank-Direktorium als zu den Politikern, egal ob links od. rechts.
  5. Rolf H. Meier Rolf H. Meier am 18.05.2015
    Warum nicht die Geschichte befragen? Nicolas d’Oresme, wohl der bedeutendste Mathematiker seiner Zeit, seines Zeichens auch katholischer Bischof, wird ebenso der grosse Nationalökonom des 14. Jahrhunderts, der für König Karl V. dem Weisen (1338-1380, reg. 1364-80) von Frankreich - Charles V le Sage - die altehrwürdige aristotelische Politik in die Landessprache übertragen hat. Karl V. gründete ebenso die Bibliothek im Louvre, wo die von seinen Hofgelehrten verfassten Bücher als Arbeitsmittel dem König und Hof zur Verfügung standen.
    Durch die Inflationspolitik des Königs für die Finanzierung des Hundertjährigen Krieges, der im Umfeld des historischen Sternjahres 1338 begann, wurde immer schlechteres Geld in die französischen Kassen gespült. Im Zuge einer Münzreform verkündete deshalb Johann II. die Einführung einer Steuer von 5 % auf Waren und 7,5 % auf Getränke und eine Salzsteuer von 20 %.
    Vor diesem Hintergrund müssen wir die Entstehung von Oresmes geldtheoretischem Werk um 1358 sehen, das später unter verschiedenen Titeln bekannt geworden ist. Der Tractatus ist, abgesehen von 15 verschiedenen Drucken, die zwischen 1477 und 1677 erschienen, in zehn lateinischen und vier französischen Manuskripten überliefert. Diese entstanden weitgehend am Hof von Karl V. - dem Weisen; er gab ihnen das weltliche Leben. - Sie beschäftigen sich mit der Geschichte und dem Wesen des Geldes im allgemeinen und zeigen dann unterschiedlichen Arten der Geldabwertung (je 7 Kapitel). In weiteren 7 Kapiteln geht Oresmes den Übeln der Geldabwertung nach, und in 2 Kapiteln behandelt er jeweils die Frage, ob der Herrscher bzw. die Allgemeinheit das Recht haben, Geld abzuwerten. „Nach einer Antwort auf diese Fragen und der hauptsächlichen Schlussfolgerung (conclusio principalis) sind noch zwei abschliessende Kapitel angefügt, die dem Herrscher eindringlich verdeutlichen sollen, dass Geldabwertung sich letztendlich gegen sein eigenes Interesse richten.“
    1. Rolf H. Meier Rolf H. Meier am 18.05.2015
      Das ist ein Zitat von Hendrik Mäkeler Nicolas Oresme und Gabriel Biel. Zur Geldtheorie im Mittelalter, Scripta Mercaturae, 2003) - Diese mittlerweile nun doch schon sehr alte Weisheit haben sich leider die zeitgenössischen Schweizer Währungshüter mitnichten hinter die Ohren geschrieben mit ihrer anachronistischen Anbindung des Frankens an den Euro, und was gar wiederholt werden soll, wie aus Geheimpapieren bekannt geworden ist? Inzwischen haben aber Jean-Pierre Roth und sein Gefolge im internationalen Währungskrieg die ihnen gebührende Quittung bekommen (wir kommentierten hier bereits die jüngst erlittenen Verluste der SNB). Philipp Hildebrand, oberster Währungshüter, aber musste wegen eines Vergehens frühzeitig gehen.
  6. Ernest Lüthi Ernest Lüthi am 18.05.2015
    Völlig richtig, es geht um den schwachen Euro und nicht um den starken Franken aber all die Medien und gewisse Professoren lieben eben das Gejammer. Bekanntlich ist der CHF seit der Aufwertung um ca. 14% teurer aber wenn wir berücksichtigen, dass nur gerade 50% der Schweizer Exporte in die EU gehen und der Rest mehrheitlich in USD abgewickelt wird, so betrifft das die Schweizer Export-Wirtschaft im Durchschnitt ja nur um 7%. Weiter kann man davon ausgehen, dass Exporteure nach der EU auch günstiger Halbfabrikate aus der EU beziehen können, somit vermindert sich der Währungseffekt auf vielleicht nur noch 4.5%. Dass die Schweizer Industrie dies verkraften kann sieht man bereits an den Gewinnsteigerungen vieler Grossunternehmen im ersten Quartals 2015. Also was soll's? Zudem hätte auch ein kleiner Rückgang in der Wirtschaft den schönen Nebeneffekt, dass nicht noch mehr Immigranten in die Schweiz wandern würden.
  7. Alfred Desvoignes Alfred Desvoignes am 19.05.2015
    Ich lese in obigen Berichten wie auch in der Prsse oft vom schwachen Euro, oder starken Franken.

    Meine Observationen der letzten sechs Monaten sind, der Franken ist gegenüber fünzehn Währungen meistens synchron gestiegen.

    Also würde ich eher sagen starker Franken, oder eben "schwachen Euro" aber nicht nur Euro.
  8. Max Kellermüller Max Kellermüller am 20.05.2015
    Der «starke Franken» soll nun herhalten als Ursache für alle «wirtschaftlichen Probleme» der Schweiz und wird von den Kritikern der Freigabe des Frankenkurses zum Vorwand für Lohnkürzungen, Personalabbau und Stellenexport ins Ausland zwecks Gewinnoptimierung genommen. Die Schweiz hat aber im Verhältnis zu den Zuständen in der EU (auch bei geringfügiger Korrektur der Konjunkturprognosen) keine wirklichen Probleme. Es geht ihr sehr gut im Gegensatz zu einer grossen Mehrheit der EU-Staaten, die sich nur noch durch die Anhäufung immer grösserer Schulden über Wasser halten können. (Schulden, die notabene irgendwann fällig werden.) Ausserdem ist der Wechselkurs des Frankens im Verhältnis zur Referenzwährung Dollar äusserst gesund. Was aber nun beim Wechselkurs Franken/Euro sichtbar wird, ist nicht weiter verwunderlich: Es ist nicht die Überbewertung des Frankens, sondern eine rasant voranschreitende ENTwertung des Euros aufgrund der katastophalen Wirtschafts- und Währungspolitik der Europäischen Union, die jeden Bezug zur wirtschaftlichen Realität verloren hat. Unter den gegebenen Umständen den Euro/Franken-Kurs weiterhin zu stützen, würde der faktischen Einführung der Schrottwährung Euro samt der damit einhergehenden Inflation und einer massiven Entwertung des Volksvermögens gleichkommen. Die Schweiz muss nicht den Schaden bezahlen, den die EU durch ihre desaströse Politik anrichtet.
    1. Rolf H. Meier Rolf H. Meier am 06.06.2015
      Max Kellermüller irrt sich, wenn er meint, nur die EU-Staaten würden Schulden machen. Die grössten Schulden haben wir, die Schweizer oder wir Dummen! Und zwar dank SNB-Präsident Thomas Jordan, der jährlich mehr als eine Million Lohn bekommt. Wie verdient er das? Mit einem einfachen Wort: "Währungsreserven" - wie es unsere Schweizer Nationalbank auch im neusten Geschäftsbericht verwendet. Im Betrag von über 500 Milliarden Franken als Währungsreserven wird ein exorbitant hohes Eigenkapital der SNB suggeriert, obwohl diese Devisenanlagen in Tat und Wahrheit zu über 90 Prozent mit Schulden (!) finanziert sind. Das ist nichts anderes als eine Irreführung der SNB-Aktionäre und des Schweizer Volkes.
      Dieser Geschäftsbericht passt zu einem Direktorium, das seit Jahren behauptet, es könne Geld aus dem Nichts schaffen - durch Banknotendrucken. Die SNB hat 2014 durch hochriskante Währungsspekulation eine kaum mehr bezahlbare Staatsschuld angehäuft. Es ist nun vorbei mit den jährlichen Gewinnausschüttungen an Bund und Kantone. Die Steuerzahler müssen für die Fehler eines hochbezahlten Direktoriums büssen. Wir sollten Professor Thomas Jordan endlich zum Teufel jagen…
  9. Kathrin Kopp Kathrin Kopp am 20.05.2015
    Ich kenne mich da gar nicht so aus, aber ich hab von dem Problem hier, wo ich wohne (in Kroatien)so mitbekommen: Es gibt hier viele, die Kredite in Franken haben. Und die haben jetzt viel mehr Schulden und es ist echt ein Problem.
  10. Ernest Hamasg Ernest Hamasg am 22.05.2015
    Le résultat de l'abandon du cours plancher: délocalisations chômage et serieux problèmes pour les exportateurs, montre que la BNS a fait tout faux. Garder le cours planché aura présenté des inconvénient mineurs: inflation des marchés financiers mais non de l'économie réelle. C'était un agissement idéologique donc prévisiblemen faux.
  11. Erwin Balli-Ramos Erwin Balli-Ramos am 04.06.2015
    Meine sehr geehrten Danen und Herren, geschätzte EU- und Eurokritiker
    Davon ausgehend, dass meine boshaften Fragen bei Ihnen ein Wehgeschrei und Zeteromordio auslösen werden gebe Ihnen meine el.Koordinaten, die da sind balli_1943@yahoo.es. Daher können Sie, ohne den Rahmen dieses Mediums zu sprengen verbal auf mir herumprügeln. Immer mit der Furcht, dieser MF-Ketzer könnte vielleicht, eventuel, möglichweise in einigen Punkten durchaus Recht haben.

    Die Lösung des monetären Problems des geheiligten, mit Weih- wasser zu besprenkelnden CFR könnte durch den Eintritt in die Eurozone elegant aus der Welt geschafft werden. Jedoch vor dem besagten Eintritt, müsste igitt, igitt die, ach so hehre Schweiz
    ihre griechischen Zustände reformieren.Und damit würde auch das hirnlose Gelaber der SVP, schweiz. Verarschungspartei hinfällig. Das sowieso seit jeher und auch heute nur dem Zweck diente, den
    materiellen Besitzstand von Herrn Dr. Blocher zu garantieren.
    Das, und die Furcht vor tiefgreifenden Reformen ist doch die Basis einer EU-feindlichen Politik.
    Gerne hoffe ich, das diese Erkenntnis vom betonstierengrindigen
    "Schweizer Bürger" in nächster Zukunft, und nicht erst im Jahre
    3000einundleipzig wahrgenommen wird.
    Sooooooooooooo und nun könnt Ihr diesen......Colombia/Suizo mal so richtig verbal verhauen. Ich freue mich jetzt schon auf das, das da kommen könnte, jedoch bitte denkt daran, wer schreit hat
    immer Unrecht...................
  12. Max Kellermüller Max Kellermüller am 19.12.2015
    Wer betonstierengrindig schreit, hat
    immer Unrecht...................

    Dem bleibt sonst nichts hinzuzufügen.

Neuen Kommentar schreiben

Die Redaktion behält sich vor, diskriminierende, rassistische, ehrverletzende oder hetzerische Kommentare zu löschen oder die Kommentarfunktion für diesen Artikel zu schliessen.

Georg Kohler, emeritierter Professor für politische Philosophie der Universität Zürich, beobachtet und analysiert für die Auslandschweizer über das...

Weiterlesen

Die Entscheidung der Nationalbank zur Freigabe des Schweizer Frankens wurde von der Furcht vor einem Kontrollverlust über die Währung geleitet,...

Weiterlesen

Die Schweizer Fussballerinnen nehmen erstmals an der Weltmeisterschaft teil. Dieser Erfolg bringt kaum Geld und wenig Aufmerksamkeit.

Weiterlesen

Mit sechs Jahren ist Samir aus dem Irak in die Schweiz gekommen. Das war 1961. Heute ist er einer der bekanntesten Filmregisseure der Schweiz. Vor gut...

Weiterlesen

Zuwanderung: So heisst in der Schweiz der politische Zankapfel des Jahres. Für die bereits Zugewanderten vor allem ist die Frage brisant, wie sich die...

Weiterlesen
 

Auslandschweizer Organisation
Alpenstrasse 26
3006 Bern, Schweiz

tel +41 31 356 61 10
fax +41 31 356 61 01
revue@aso.ch