Kampf um die Ausrichtung der Politik

Seit Mitte Dezember steht die «Neue Zürcher Zeitung» im Zentrum des medialen und politischen Interesses. Dies nicht nur in der Schweiz, denn die «NZZ» ist die einzige Schweizer Zeitung, die auch international Beachtung findet. Was ist geschehen? Chefredaktor Markus Spillmann, ein profilierter Journalist, wurde vom Verwaltungsrat abgesetzt – zwar nicht offiziell, aber de facto. Die Redaktion, über 200 Journalistinnen und Journalisten, protestierte gegen die Pläne des Verwaltungsrats, Markus Somm zu Spillmanns Nachfolger zu machen. Somm, ein profilierter Journalist auch er, ist im politischen Spektrum ganz rechts angesiedelt – zudem ist er ein ­Intimus und der Biograf von Christoph Blocher, dem Vizepräsidenten und Spiritus rector der SVP. 

Die Entscheidung, wer künftig die 234 Jahre alte, eng mit der FDP liierte «NZZ» publizistisch leitet, stand beim Schreiben dieser Zeilen noch aus. Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» schrieb dazu: «Das Durcheinander ist gross», mit seinem «ungeschickten Verhalten» habe der Verwaltungsrat «einen Scherbenhaufen angerichtet».

Klar ist jedenfalls, diese Kraftprobe reflektiert den Kampf um die künftige Ausrichtung der Schweizer Politik. Die liberale, aber differenziert-kritische Haltung der «NZZ» und ihres Chefredaktors ist SVP-nahen Kreisen ein Dorn im Auge – sie versuchen, das Blatt für den laufenden Wahlkampf auf ihre Linie zu bringen.

Ein profunder Kenner der Schweizer Politik ist Georg Kohler, emeritierter Professor für politische Philosophie an der Universität Zürich. Seine Analysen sind so klarsichtig, dass er bei allen Parteien hohes Ansehen geniesst. Seine Beobachtungen im Wahlkampf und seine Reflektionen dazu wird er in diesem Jahr in einer Kolumne in jeder Ausgabe der  «Schweizer Revue» darlegen. Ab Seite 12 in diesem Heft schreibt Kohler unter anderem über Entscheidungsfindungen, über die Classe politique und über Kompromisse.

Viel Echo ausgelöst hat der Artikel in der «Schweizer Revue» vom Dezember zum Sprachenstreit und zur Diskussion um das Frühfranzösisch und den Sprachunterricht in Schweizer Schulen. Für uns überraschend: In den Leserbriefen und Kommentaren der Auslandschweizerinnen und -schweizer wertet die grosse Mehrheit den Frühunterricht und die Kenntnisse in der zweiten grossen Landessprache, also Französisch oder Deutsch, höher als Englischunterricht schon in der Primarschule. Hier ein Zitat, das die Meinung vieler wiedergibt: «Englisch lernt früher oder später (fast) jeder, weil es omnipräsent, prestigeträchtig und nützlich ist.»

Herzlich danken möchte ich an dieser Stelle auch allen Leserinnen und Lesern, die sich – ausnahmslos konstruktiv – zum neuen Layout und zur neuen Website geäussert haben. 

Barbara Engel

Kommentare (3)
  1. Markus Immer Markus Immer am 22.01.2015
    Liebe Frau Engel, "die liberale, aber differenziert-kritische Haltung der «NZZ»"! Wow - wer hat Ihnen das eingefluestert? Die NZZ ist DAS Sprachrohr der FDP und die FDP ist Teil des leider bis heute ignorierten "Coup d'Etat" vom 12. Dezember 2007. Die NZZ verbreitet keine differenzierte Anlysen, sondern Meinungen und die sind glasklar Mitte-Links angesiedelt (mit etwas liberal wirtschaftlichem Anstrich), das kommt dem Geld- und Witschaftsadel naemlich gerade recht! In einem Sumpf von Inkompetenz und Ideologie-Geschwaetz kann man sich unauffaelliger bewegen und Tatsachen schaffen, naemlich die Schweiz als "Zone Economy" der EU.
  2. Singlemom McCollum Singlemom McCollum am 24.01.2015
    I do not read any Swiss Newspapers. NZZ traditional read in my rich family is to money driven for my taste. Blick is to primitive and Tagesanzeiger for Zurich only really intresting. Internet gives you all possibilities, neutral reports to find on subjects from interest. The general political turn to the right is very scary and I am happy, that I am not in Switzerland. Specially as a single mom, my chances of a "normal" life would be very limited....
  3. Patrick JENNY, expat suisse aux Philippines Patrick JENNY, expat suisse aux Philippines am 01.02.2015
    Il est triste de constater que la Suisse, de plus en plus, s'aligne sur les autres pays de ce monde... Les medias sont rachetes et controles par des magnats qui les utilisent pour leurs propres agendas politiques (et je vous rappelle que Monsieur Blocher est un magnat de l'industrie et des medias...).
    Le lobbyisme aussi cherche de plus en plus a influencer nos autorites et les medias, par leurs choix des actualites developpees, ne font qu'accentuer ces pressions discretes sur le gouvernement !
    Il est triste de constater que la plupart des journaux quotidiens ont disparus au fil des ans, ou ont ete phagocytes par des groupes tels que Ringier, Tamedia ou Edipresse. Et je ne sache pas que cela favorise la pluralite des opinions... Et surtout celles de la ligne editoriale de nos quotidiens...
    Les editeurs en chef n'ont plus qu'a garder le doigt sur la couture du pantalon et etre au garde-a-vous... Ou ils sont remplaces....
    C'est triste...

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